Reisen

23.5.18: Jokhang und Sera

Das wichtigste Pilgerziel und das Nationalheiligtum des Tibet ist der Jokhang. Um ihn herum pulsiert das religiöse Leben förmlich. Rund um diesen ältesten Tempel im Zentrum der Altstadt verläuft der Bakor, der heilige Umrundungsweg (Kora). Heerscharen von Pilgern begehen ihn im Uhrzeigersinn. Einige von ihnen tun dies nicht einfach zu Fuss, sondern werfen sich, durch Leder an Brust, Bauch und Knien geschützt, der Länge nach ein ums andere Mal hin, bis der rund 800m lange Ritualweg absolviert ist. Vor dem Jokhang stehen die Pilger in langen Schlangen an, um die Heiligtümer im Innern zu besuchen. Wir lassen uns trotz dem enormen Touristenstrom in diese mystische Welt hineinziehen und geniessen die Atmosphäre der surrenden Gebetsmühlen, des Gemurmels der Suren, des betörenden Rauchs und des dichten Drängels der Gläubigen. Natürlich absolvieren auch wir den Bakor, der rundum gesäumt ist von unzähligen Verkaufsläden mit allerlei Souvenirs, Schmuck und religiösen Utensilien.

Nach dem Mittagessen statten wir einem Tibeter, der lange in Deutschland und der Schweiz gelebt hat, einen Besuch ab. Bei ihm gibt es nicht nur Yvonne‘s heiss ersehnten Espresso sondern auch hervorragendes Kunsthandwerk. Wir erstehen ein schönes, grosses Mandala. Ob wir dessen ganze Bedeutung begriffen haben, werden wir in einem Test zuhause überprüfen müssen. Der Besitzer freut sich nicht nur über das getätigte Geschäft sondern auch darüber, dass er sein Schweizerdeutsch wieder einmal brauchen kann. Anschliessend bummeln wir durch eine Einkaufsgasse für die Einheimischen und besichtigen den relativ kleinen Ramoche-Tempel, das nach dem Jokhang wichtigste Heiligtum der Innenstadt.

Dann holt uns unser Fahrer ab und wir fahren etwas 5km nordwärts zum Kloster Sera, in dem heute immer noch etwa 800 Mönche leben. Das faszinierendste an dieser grossen Klosterstadt ist der nachmittägliche Diskurs der Mönche im Debattierhof. In Zweiergruppen wird heftig und lautstark diskutiert: einer der beiden Mönche sitzt am Boden und muss die Fragen seines stehenden Gegenübers beantworten. Je nach Antwort klatscht der stehende Mönch auf die eine oder andere Art in seine Hände. Bei den vielen Zweiergruppen entsteht so ein Lärm, der von weither wie sich ständig wiederholende Peitschenhiebe tönt. Der Video dazu findet sich im YouTube: Debattierende Mönche.

 

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.