Reisen

15.1.2020: Majuli Island

Morgens um Sieben ist die Welt noch in Ordnung. Für die Verkehrsverhältnisse rund um Jorhat stimmt das jedenfalls. Nach den Festivitäten von gestern Abend, die meist die ganze Nacht über gedauert haben, ist kaum jemand unterwegs. So kommen wir zügig voran und sind mehr als eine halbe Stunde vor dem geplanten Start beim Abfahrtsort der Fähre.

Von Fahrplan zu sprechen, wäre etwas übertrieben. Man fährt, wenn das Schiff voll oder überfüllt ist oder wenn es sonst einen guten Grund dafür gibt. Starker Dunst ist eher ungünstig, die Navigation erfolgt auf Sicht und so warten wir schliesslich fast eine Stunde, bis der Kahn ablegt. Die Auslastung ist gut und die Sicherheit ist unter Kontrolle. Auf geschätzte 150 Fahrgäste hat es immerhin 3 Rettungsringe und 2 Schwimmwesten. Interessant ist auch die Preisliste: Pro Passagier kostet die Überfahrt 15 Rupien (gut 20 Rappen), gleich viel wie für ein Kalb oder ein Schwein. Ein Büffel kostet bereits 45 Rupien und wenn wir einen Elefanten mitgebracht hätten, wäre uns das auf 907 Rupien zu stehen gekommen. Der Mahut (Elefantenführer) ist dann bereits im Preis inbegriffen.

Unser Auto haben wir am Südufer des Brahmaputra zurückgelassen, auf der Majuli-Insel holt uns ein lokaler Fahrer ab. Wir kommen zuerst zum Auniati Satra, einem der größten Klöster auf der Insel. Hier wohnen ca. 400 Mönche, quer durch alle Altersgruppen. Dadurch, dass es für gläubige Familien eine gewisse Verpflichtung darstellt, einen ihrer Söhne als Priester in eines der Klöster zu schicken (wo er den Rest seines Lebens bleibt), ist im Moment der Nachwuchs für die 22 Satras auf der Insel sichergestellt. In der grossen Halle findet eine Gebetszeremonie statt, ein monotoner, schöner und eindrücklicher Singsang einiger Mönche. Aus Anlass des Bihu-Festivals brennt auch ein Feuer, in dem nach einem klar festgelegten Ritual verschiedene Nahrungsmittel geopfert werden. Als nächstes besuchen wir eine Maskenwerkstatt. Die hier hergestellten Masken werden für die traditionellen Tanzaufführungen verwendet. Als Basis dient ein Geflecht aus Bambus, das mit einem Baumwollgewebe und einer Mischung aus Kuhdung und Lehm überzogen wird. Zuletzt erfolgt die kunstvolle Bemalung. Rund 5 Tage dauert die Produktion einer einzelnen Maske. Der Inhaber ist offensichtlich eine Koryphäe, jedenfalls hat er für seine Kunst an einer lokalen Universität den Ehrendoktor-Titel erhalten. Zum Mitnehmen sind die Dinger leider etwas gross.

In einem kleinen Restaurant machen wir eine kurze Pause, das Angebot beschränkt sich allerdings auf Gebäck und Tee. Das Personal kämpft offensichtlich noch mit dem Hangover der letzten Nacht. So sind wir bald wieder auf Achse und kommen zu einem weiteren Kloster, wo extra für uns eine Musikvorführung gemacht wird. Sechs Mönche singen und tanzen für uns, sie begleiten sich dabei mit Trommeln und Zimbeln. Wir werden für die Weiterreise gesegnet und so kann uns auf der Rückfahrt mit der Fähre nichts passieren. Das Boot ist bei weitem nicht so überfüllt wie am Morgen, obwohl es wesentlich kleiner ist. An der Anlegestelle werden wir wieder abgeholt und bei Sonnenuntergang treffen wir nach einem weiteren tollen und erlebnisreichen Tag auf unserem Landgut ein.

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