Reisen

Ecuador Tag 12: Pujili und Laguna de Quilotoa

Auf dem Markt von Pujili machen wir heute Morgen einen ersten Stop. Ich werde gewarnt, dass ich hier mit meinem Fotoapparat nicht unbedingt beliebt sein dürfte. Schon beim ersten Bananenstand treffen wir aber auf zwei Verkäufer, die sich unbedingt in Pose setzen wollen. Sie sind offensichtlich aus der Küstenregion, wo die Leute offener sind. Aber auch an diversen anderen Orten ist eigentlich von einer kamerafeindlichen Einstellung wenig zu spüren. Für jedes Lächeln erhalten wir eines zurück. Wir decken uns mit Bananen und diversen CD’s ein (echte Kopien für 1 Dollar das Stück). Dieser Markt ist besonders lebhaft und farbenfroh und es braucht etwas Ueberwindung, um sich hier wieder loszureissen.

Auf der Fahrt den Berg hinauf Richtung Quilotoa klettern wir bis knapp über 4000 Meter. Die Landschaft ist atemberaubend und es braucht schon eine enorme Geduld unseres Führers Roberto, dass er auf jeden Wunsch nach einem Fotohalt eingeht. Das erste Mal sehen wir Lamas, die nicht nur zur Belustigung der Touristen dienen. Wir dürfen hundert Meter neben dem Strassenrand die Behausung eines Bauernpaars besuchen. Für uns ist dies natürlich ein Riesen-Privileg, aber wir bekommen auch den Eindruck, dass das Bauernpaar stolz ist, uns ihr Heim zu zeigen und ein wenig aus ihrem Leben zu erzählen. Auf kleinstem Raum haben sie hier mit ihren 6 in der Zwischenzeit ausgezogenen Kindern gelebt. Das Haus dient hat im Wesentlichen den Funktionen Kochen, Essen, Schlafen und der Lagerung von Vorräten. Die Bettstatt hat 2 Ebenen. Auf der unteren schlafen die Eltern mit den bis 12-jährigen Kindern, die älteren Kinder schlafen auf der oberen Ebene. Den Innenraum teilen die Leute ausserdem mit einer grossen Anzahl von Meerschweinchen, die sie für den Eigenbedarf wie auch für den Verkauf auf den Märkten von Latacunga, Pujili und Saquisili halten. Die Familie bewirtschaftet 2 Hektaren Land unter härtesten Bedingungen, der Ertrag dafür ist kärglich. Die beiden vermitteln aber keinen unglücklichen Eindruck, sie sind hier aufgewachsen, sind in der Zwischenzeit 66 Jahre alt geworden und kennen kaum eine Alternative. Bereits die Vorfahren haben hier über mehrere Generationen gelebt. Wir verabschieden uns, insgeheim etwas beschämt über die Ansprüche, von denen wir glauben, dass sie erfüllt sein müssen, damit wir zufrieden sind.

Auf der Weiterfahrt erzählt uns Roberto über die überlieferten Gesetze und die Rechtssprechung, die neben der staatlichen unter den Indigenas heute nach wie vor Gültigkeit hat. Die Sanktionierung von Missetätern erfolgt nach deren Regeln zeitlich unmittelbar und immer noch nach der Idee der (insbesondere auch körperlichen) Bestrafung. Und die wesentlichen 3 Grundregeln sind: nicht lügen, nicht stehlen und hart arbeiten.

Im ziemlichen Kontrast zu der noch sehr traditionellen Welt der Indigenas stehen die in den letzten Jahren entstandenen hervorragend Strassen. Das Netz wird laufend weiter ausgebaut: „die Bürger-Revolution finanziert diese Strasse“. Der Aufwand dafür ist zum Teil enorm, oft werden ganze Berghänge abgetragen. Der Aufbau eines leistungsfähigen Strassennetzes ist zweifellos eine Errungenschaft der Regierung unter dem aktuellen Präsidenten (auch wenn man ihn allenfalls nicht mag). Damit wurde natürlich ein wesentlicher Grundstein für die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Landes gelegt.

Nach einer Fahrt bei teilweise sehr schönem Wetter treffen wir an unserem heutigen Reiseziel die Laguna de Quilotoa im Nebel an. Auf unserem Spaziergang entlang dem Kraterrand lichtet sich dieser aber immer wieder, sodass wir interessante Eindrücke des riesigen Sees gewinnen. Der Vulkan Quilotoa stösst im Moment höchstens ein paar Schwefelblasen aus, zählt aber immer noch zu den aktiven und gefährlichen und steht deshalb unter dauerhafter seismischer Ueberwachung. Das immense Schadenpotenzial ersehen wir aus einer Karte im Restaurant des neu errichteten Besucherzentrums. Der letzte Ausbruch fand vor ca. 300 Jahren statt, im weiten Umkreis wurden damals die Tiere durch die austretenden Gase getötet.

Weil die Tage auch in Ecuador leider nicht ewig dauern, machen wir uns dann um ca. 1500 Uhr wieder auf den Rückweg. Bei einem der Fotostops schenken wir drei Mädchen unsere Sandwiches, Früchte und Mineralwasser, die wir vom Mittagessen noch übrig haben. Das Strahlen in ihren Gesichtern zeigt, dass dies mit Sicherheit eine gute Idee war.

Beim Nachtessen in unserer Hacienda gesellt sich unsere Gastgeberin Mignon dazu, die aus dem ehemals rein privat genutzten Landgut dieses tolle Hotel gemacht hat. Sie ist die Enkelin des zweiten  liberalen Staatspräsidenten, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Ecuador offenbar ziemlich viele Veränderungen bewirkt hatte. Sie erzählt aus der Geschichte des Hauses und erläutert in der Küche auch noch die Zubereitung der lokalen Kartoffelsuppe Locro de Papas.

0 thoughts on “Ecuador Tag 12: Pujili und Laguna de Quilotoa

  1. Einmal mehr: fantastische Bilder von Personen und Landschaften und eindrucksvolle Schilderungen aus Ecuador! In Gedanken reisen wir mit; herzlichen Dank!
    La sopa de locro de patas hat uns in verschiedenen Varianten immer sehr gut geschmeckt … mmmhh!

    Liebe Grüsse aus dem trüben, kühlen und nassen Bern
    Yvonne und Lolo

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