Samstag, 21.5.2022: Camanti

Unser Häuschen hat keine Fenster, sondern ist mit Mückengittern geschützt rundherum offen. Wir erwachen deshalb mit den tausend Geräuschen des Urwalds: die nachtaktiven Tiere ziehen sich zurück und die anderen melden sich mit viel Klamauk. Nach dem Frühstück auf der Terrasse unternehmen wir mit Mario einen Streifzug durch den Wald und erfahren viele interessante Informationen von ihm. So zum Beispiel, dass sich eine bestimmte Ameisenart eine kleinere Gattung als Sklaven hält, die für die Zubereitung der Nahrung zuständig ist. Oder dass sich in den Bäumen Gruppen von Vögeln zu einer Jagdgemeinschaft zusammenfinden, die durch ein starkes Männchen geführt wird. Dieses ist für die Sicherheit der Gruppe verantwortlich und warnt diese bei nahender Gefahr. Dieses Warnruf stösst es allerdings auch aus, wenn es selber fressen will: dann fliehen alle anderen Vögel und der Chef hat den Schmaus für sich alleine! Wir sind etwa drei Stunden unterwegs, viel weiter als 2km kommen wir dabei nicht in dieser faszinierenden Welt.

Zum Mittagessen turnen zwei Kolibris vor unseren Augen und auf den Bäumen hüpfen verschiedene Vögel umher. Später unternehme ich mit Mario eine ziemlich abenteuerliche Dschungel-Kraxlerei ohne Wege und mit viel Macheten-Einsatz. So erklimmen wir den Anhang neben einem kleinen Wasserfall und hoffen dort, dass wir den Balztanz der knallroten Felsenhähne sehen können. Wir hören das laute Geschrei der Vögel ganz in der Nähe, zu sehen bekommen wir aber nur ein einzelnes Männchen in der Ferne und ein Weibchen, das pfeilschnell in seine Felshöhle verschwindet. Beim Eindunkeln machen wir uns auf den Weg zurück, das Durchqueren des Urwalds ohne Licht ist eine neue, spezielle Erfahrung.

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