Burma 2015

Myanmar war vor 3 Jahren aus der Luft und vor 2 Monaten am Boden so bezaubernd, dass wir uns mit viel Vorfreude entschieden haben, das Angebot für eine erneute Ballonreise anzunehmen. Und so kommt es, dass wir am Samstag 28.12.14 bereits wieder ins goldene Land fliegen.

Unsere Reise führt uns nach einem Stopover in Yangon per Flugzeug nach Mandalay, von dort aus geht es auf der Strasse nach Mogok, weiter nach Shwebo und Monywa und zurück nach Mandalay. Von da aus fahren wir per Boot nach Bagan und zuletzt wieder per Flugzeug zurück nach Yangon.

Burma 14-15

 

 
Mittwoch, 31.12.14: We Made It!

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Wir sind in Mogok eingetroffen. Das tönt an sich wenig spektakulär, ist allerdings nicht ganz selbstverständlich. Aber alles der Reihe nach: Praktisch mit dem ersten anständigen Schnee in der Schweiz sind wir am Sonntag früh bei Strassenverhältnissen zwischen aper und "Pulver gut" wohlbehalten nach Kloten gekommen. Wegen eines Triebwerkdefektes verzögerte sich das Boarding "etwas". Die Turbine wurde repariert und getestet und nochmals repariert und erneut getestet usw. So vergingen die Stunden, allerdings nicht im Flug, sondern im Terminal. Nach etwa 3 Stunden gab es sogar mal ein Sandwich mit Wasser. Kurz vor dem Ablauf der 5 Stunden-Frist (nach der es für die Airline teuer würde), begann das Boarding. Dann warteten wir eine Stunde, bis das Frontrad des Pushback-Traktors enteist war, dann eine weitere Stunde auf das Enteisen des Flugzeugs. Schliesslich war die Startbahn wegen Schneeräumung gesperrt und die Ersatzstartbahn für den 380er zu kurz. (an dieser Stelle wäre anzumerken, dass ein mit Aebi Schmidt-Fahrzeugen ausgerüsteter Flughafen eine Startbahn in 15 Minuten räumen könnte!) Schliesslich entschied der Captain, für die Nacht doch lieber in der schönen Schweiz zu bleiben. Die Suche nach Unterkunft und Verpflegung überliess Singapore Airlines generös den Passagieren. Mit hoher Sicherheit wusste der Captain bereits beim Boarding, dass die Crew die maximale Arbeitszeit überschreiten würde. Alles andere war vermutlich nur noch Show, um möglichst viele Schadenersatzansprüche zu vermeiden. So verbrachten wir den Abend gemütlich bei einem Fondue bei Theres und Res und die Nacht in unserer Zürcher Wohnung. Der Montag begann mit dem Kampf um einigermassen akzeptable Anschlussflüge, der Schweizer Teil der Reise endete mit einer Verspätung beim Abflug, die "nur noch" 2 Stunden betrug. In Singapur klappt es dann reibungslos mit dem Anschlussflug, ebenso in Yangon. So treffen wir schliesslich beim Einnachten in Mandalay ein, die Autofahrt nach Mogok verschieben wir zugunsten von etwas Schlaf auf den Mittwoch. Um 6 Uhr rumpeln wir los und über tausend Schlaglöcher und durch mindestens so viele Kurven absolvieren wir die rund 180km in ca. 7 Stunden. Die Krönung des Tags ist ein Novizenumzug: drei junge Knaben werden in einem feierlichen, farbigen und lauten Umzug ins Kloster gebracht. Das ganze Dorf ist auf den Beinen und freuen sich ab der doppelten Abwechslung: Novizenfest und Touristenbesuch. Durchgerüttelt und müde sind wir also nun in der Minenstadt Mogok eingetroffen und die Gruppe ist komplett für die heutige Sylvesterfeier, die wir bei einer ohrenbetäubenden Musikshow und infolge sehr kühlen Temperaturen fröstelnd am Pool verbringen.

 

 

Auf Rubinsuche in Mogok / Abendfahrt in Shwebo (1.1. - 2.1.2015)

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Die Windmessungen am Neujahrs-Morgen zeigen, dass an eine Ballonfahrt in diesem engen, überbauten oder überwachsenen Tal mit ein paar wenigen Nastüchern zum Landen nicht zu denken ist. Wir blasen die Uebung ab und machen einen Abstecher in einen der vielen Burma-typischen Coffee-Shops. Ein ausgedehnter Rundgang auf dem Gemüsemarkt wird gefolgt von einem noch fast ausgiebigeren auf dem Rubinmarkt, dann ist schon Zeit für eine Nudelsuppe. Am Nachmittag haben wir das Sonderprivileg, eine der Rubinminen besichtigen zu können. Die Lizenzen für den Abbau werden durch die Regierung ausgestellt, der Gewinn wird mit dieser geteilt. Die Frage, ob das "50:50" oder "aufgeteilt" bedeute, wird mit einem diplomatischen Lächeln beantwortet. In der Mine selber werden nur die grösseren Steine weiter verarbeitet, die kleineren werden lokalen Familien überlassen, die in mühsamer Kleinarbeit die Haufen aussortieren und hoffen, den einen oder anderen Fund zu machen. Meist schauen nur ein paar Steinchen von 1-3 mm Durchmesser heraus, einkarger Lohn für die Arbeit einer ganzen Familie. Insgesamt gewinnen wir aber den Eindruck, dass es den Leuten in der Bergbaustadt Mogok verhältnismässig gut geht. Die Häuser sind im Vergleich mit anderen Orten solide und grosszügig gebaut, die Gärten rund herum sind sauber und auf dem Markt und in den Geschäften ist die Auswahl an Gütern gross.

Am Freitag 2.1. geht es dann frühmorgens über die rumplige und kurvige Strasse wieder hinunter in die Ebene des Ayeyarwaddy. Unterwegs besichtigen wir noch eine ziemlich spektakulär auf einen Felsspitz gebaute Pagode, die auch eine tolle Rundsicht über die bewaldeten Berghügel des Gebietes bietet. Nach einem Mittagsstop erreichen wir um ca. 14:00 die kleine Stadt Shwebo. Die Temperaturen sind in der Zwischenzeit wieder auf dem Niveau, das wir Europäer generell mit Asien verbinden: T-Shirt-mässig. Um etwa 16:30 starten wir dann auf einem grösseren Feld in der Nähe einer Schule. Für einen grossen Publikumsaufmarsch ist entsprechend gesorgt. Unter dem Jubel der vielen hundert Zuschauer steigt ein Ballon nach dem anderen in den Nachmittagshimmel auf. Wir fahren quer über die Stadt, die von einem quadratischen Wassergraben umgeben ist. Obwohl wir beim Aufstellen ziemlich ins Schwitzen gekommen ist, sind Hüllentemperatur und Gasverbrauch während der Fahrt erstaunlich tief. Locker und entspannt gleiten wir über die Stadt, sinken im Süden dann tiefer und überqueren ein kleines Dorf ein paar Meter über Grund, natürlich zur grossen Freude der Bevölkerung. Nach einem letzten Hüpfer über ein paar Stupas landen alle 5 Ballone nebeneinander auf einem grösseren Feld, wo wir unterstützt von Hunderten von Dorfbewohnern rasch zusammengepackt haben, um anschliessend im kleinen Dorfladen ein erstes Bier für die trockenen Kehlen erstehen

 

 
Sa 3./So 4.1.15: Shwebo

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Um 0600 fahren wir vom Hotel ab. Die Windrichtungen sind gegenüber dem Vorabend nicht viel anders und so starten wir wieder vom gleichen Feld vor der Schule. Auch zu dieser frühen Zeit ist der Platz bereits voller Zuschauer, die sich das Spektakel der fauchenden Ungeheuer nicht entgehen lassen wollen. Die Morgenfahrt führt uns direkt über Markt und wir schweben der Reihe nach über Fische, Geflügel, Gemüse, Früchte und Blumen, begleitet vom Jubel der Marktbesucher und Verkäufer. Bei unserem Hotel verzichten wir wegen einer winzigen, fast unsichtbaren Leitung auf eine Zwischenlandung, die wir dann etwas weiter zwischen ein paar Bäumen nachholen. Nach einer gemütlichen Fahrt über grosse Felder landen alle 6 Ballone schon aufgereiht auf dem Karrenweg hinter einem Dorf. Nach dem Zusammenpacken gehen wir zum einzigen Coffeeshop im Ort, der im Nu gestossen voll ist: in der Mitte die ballonfahrenden Fremdlinge, aussen die gesamte Dorfbevölkerung. Für das Dorf sind wir die absolute Attraktion des Jahres

Am späten Vormittag machen wir einen Abstecher nach Kyaukmyaung zur Töpferei, wo wir Wiedersehen mit dem Heizer feiern, den wir vor rund 7 Wochen bereits dort beim Befeuern der Brennöfen angetroffen haben. Einzig seine Haare sind 7 Wochen länger und er trägt ein anderes T-Shirt als beim letzten Besuch. Am Mittag essen wir bergeweise fried rice in einem Terrassenrestaurant mit einem schönen Blick über den Ayeyarwaddy.

Für die Nachmittagsfahrt starten wir um ca. 1630 ab einem neuen Startplatz etwas weiter westlich.
Recht schnelle Winde führen uns zügig über die ganze Stadt, dann weiter über kilometerweise Reisfelder. Ziemlich weit im Süden landen wir weich auf einem abgemähtem Reisfeld. Unsere sensationelle Crew ist sofort da und zieht uns zur Strasse. Nach längerer Holperfahrt (ohne Bier!) kommen wir zurück nach Shwebo für das Nachtessen.

Für die Morgenfahrt vom Sonntag starten wir wieder ab Standardplatz und fahren danach mit 15 km/h über den geschlossenen Markt. Dafür herrscht ausserhalb der Tore grosse Hektik, der MArkt spielt sich einfach auf der Strasse ab. Südlich der Stadt werden dann die Bodenwinde langsamer, sodass wir gemütlich über die Felder gleiten, auf denen die Reisernte des besonders begehrten und teuren Shwebo-Reises in vollem Gang ist. Praktisch vor jedem Haus sind deshalb auch Blachen ausgebreitet, auf den die frisch geernteten Reiskörner zum Trocknen ausgelegt sind. Alle Ballone landen beim gleichen Dorf wie am Vortag und so ist der Menschenauflauf im Coffeeshop noch grösser als am Vortag.

Nach der Rückkehr von der Morgenfahrt nehmen wir um 1015 Abschied von Shwebo und fahren Richtung Monywa, wo uns die nächsten Abenteuer erwarten.

 

 
Monywa (4.1. - 6.1.2015)

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Nach einer rund zweistündigen Fahrt erreichen wir unser Hotel in Monywa kurz nach dem Mittag und geniessen danach die Ruhe unseres Hotels, das zwar gleich neben der Hauptstrasse liegt, auf dessen Areal aber viele grosse Bäume stehen. Die Ruhe ist wohltuend, genauso wie der kühlende Schatten des Blätterdachs. Die Lastwagen mit den Ballonen treffen gerade rechtzeitig für die Abendfahrt ein, für die wir aus einem Fussballstadion 200m gegenüber unseres Hotels starten. Die Winde führen leicht schräg zum Chindwin-River hinüber, den 5 Ballone mit etwas Kampf um die Winde mehr oder weniger problemlos überqueren. Ich finde etwas hinter dem Hauptharst diese Schichten nicht mehr und so fahren wir auf ca. 1000m über Grund etwas landeinwärts. Die Landung erfolgt dann bei leicht böigem Wind auf dem Sandstrand kurz vor dem Fluss.

Am Montag-Morgen starten wir rund 10 Minuten vor dem Sonnenaufgang. Zunächst fahren wir knapp über den Hausdächern Richtung Zentrum der kleinen Stadt und überqueren genau die grosse Moe Kaung Pagode gleich neben dem Markt. Etwa 200m höher dreht der Wind in die andere Richtung, sodass wir nach etwas einer halben Stunde wieder genau über den Startplatz ziehen. Wir inspizieren auch das dahinterliegende Gefängnis und sind froh, dass wir im Hotel wohnen können. Auf unterschiedlichen Höhen turnen wir dann weiter Richtung Nordosten, wo die 6 Ballone in einem Umkreis von 2 Kilometern alle gut landen.

Über Mittag unternehmen wir eine recht weite, rumplige Fahrt zu einem grossen Komplex von Buddha-Grotten westlich des Chindwin. Unterwegs passieren wir auch die grossen Kupferminen, die in der letzten Zeit zu lokalen Protesten geführt haben. Das chinesische Unternehmen, das die Minen betreibt, konnte bei der Landenteignung offensichtlich ziemlich ruchlos vorgehen.
Die Abendfahrt führt uns in ähnliche Richtungen wie am Vortag, allerdings ist es schnell klar, dass die Fahrt nicht auf die andere Flussseite führen wird. Vor allem die Bummelfahrt über den klaren See nördlich des Startplatzes mit rund 1 km/h ist ein Highlight dieses Abends. Die Endlandung schaffen alle Ballone innerhalb von 100m auf dem Golfplatz, wo sich die ernsthaft trainierenden Spieler (wohl fast ausschliesslich Armee-Offiziere) keine Minute stören lassen. Wir amüsieren uns insbesondere über einen Golfer, der sich die Bälle für seine Abschläge von einer vor ihm knieenden jungen Frau hinlegen lässt.

Am Dienstag Morgen verzichten wir infolge relativ schneller Winde und einer ungünstigen Richtung auf die Fahrt und machen uns nach einem gemütlichen Marktabstecher um 1100 Uhr auf den Weg nach Sagaing/Mandalay.

 

 
Sagaing / Amarapura (6./7.1.2015)

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Nach einer etwa zweistündigen Fahrt treffen wir am frühen Nachmittag in Sagaing auf der westlichen Seite des Ayeyarwaddy River ein. Die Trucks mit den Ballonen sind noch von Mandalay her unterwegs, wo sie bereits das allgemeine Material abgeladen haben. Wir trinken einen Coffeemix Marke Super in einem Coffeeshop, wo irgendein historischer Schlachtenfilm die lokalen Besucher in den Bann zieht.

Die Windmessungen ergeben nichts Gescheites, vor allem keinen Wind für eine Flussüberquerung. Wir versuchen deshalb, ein Fly In auf die nahe gelegene Kaungmudaw Pagode (auch Püppi-Pagode genannt - warum auch immer ). Die Startplatzsuche ist nicht ganz einfach und so machen wir nur noch eine kurze Fahrt mit sehr langsamen Winden, die pünktlich zur Landung deutlich auffrischen. Nach der Ankunft im Hotel und einer kurzen Dusche geniessen wir ein gemütliches Nachtessen am Flussufer.

Am Mittwoch-Morgen geht es um 0600 Uhr wieder los. Wir fahren zur U Bein-Brücke, wo eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang schon einiges los ist. Viele Fotografen (Profis und andere) nutzen das Morgenlicht für romantisch-kitschige Aufnahmen. Ein Fotomodell ist der absolute Hammer. Sie stelzt auf mindestens 20 cm hohen Plateau-Highheels in einem schwankenden Fischerboot herum und fällt dabei mehrmals fast ins Wasser. Unsere Fahrt startet mit einem lockeren, tausendfach geknipsten Herumhängen 2 m über Boden bei der atemberaubenden Teakholz-Brücke. Früher oder später schaffen fast alle eine Zwischenlandung auf der Brücke, bevor wir dann höher steigen, um über das Weberdorf Amarapure zu korrigieren. Das Klickklack der Webstühle tönt bis weit hinauf und ist später auf Hausdachhöhe richtig dominierend. Ich steige nach der Dorfüberfahrt auf 1100 m, wo Rion (mit Fallschirm) unsere Korbgemeinschaft verlässt. Die Endlandung erfolgt nach der Überquerung fast endloser Erdnussfelder in der Nähe des Ayeyarwaddy.

Die Gruppentour zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Manadalay lassen wir aus und geben dafür die letzten Ersparnisse in einem tollen Holzschnitzerladen aus.

 

 
Mandalay / Amarapura (7./8.1.2015)

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Für die Abendfahrt am Mittwoch dürfen wir die grüne, staubfreie Wiese beim Swan-Hotel benutzen. Damit können wir direkt neben dem Wassergraben des ehemaligen Königspalastes aufsteigen und haben eine spektakuläre Aussicht über dieses 2.5 km breite Quadrat. Wir steigen sofort auf 300m Grund, denn der ganze Raum innerhalb der Palastmauern ist militärisches Sperrgebiet. Diese Höhe bringt uns schön in die nordöstliche Ecke über die Pagoden Sandamuni und Kuthodaw, die von kleinen Stupas mit 1774 resp. 729 Schrifttafeln buddhistischer Schriften umgeben sind. Gemeinsam bilden sie das so genannte grösste Buch der Welt. Wir schaffen es, den Bereich ziemlich genau zu überfahren und sind so in bester Position für die Luftaufnahmen. Nach der relativ tiefen Überfahrt steigen wir wieder höher, korrigieren weiter nach Osten und landen kurz vor Sonnenuntergang auf einem Feldweg ausserhalb eines Dorfes nördlich von Mandalay.

Der zweite Start bei der U Bein-Brücke ist vom Licht her am Boden fast noch schöner als derjenige am Vortag. Wir turnen über Amarapura herum, leider sind die Sichtverhältnisse weiter oben aufgrund des starken Dunstes nicht sehr gut. Wir landen nach einer guten Stunde Hülle an Hülle mit Marc in einem Stadion, vermutlich einem der staubigsten der Welt. Danach folgt der obligate Besuch der Seidenweberei, wo sich das Shopping ziemlich in die Länge zieht.

Am Abend starten wir nochmals beim Swan-Hotel. Diesmal führt uns der Wind direkt über den Palast des ehemaligen Königs, westlich am Mandalay-Hill vorbei und über das grosse Gefängnis, das wie ein halber Zitronenschnitz in der Landschaft liegt. Wir verzichten auf eine Annäherung, eine Verhaftung wäre nicht in unserem Sinn. Danach kämpfen wir uns in der Höhe mühsam nach rechts, um das Gebiet der feuchten Felder in der Nähe des Ayeyarwaddy zu vermeiden. Wir landen schliesslich in einem kleinen Feld mitten zwischen Dutzenden von Hühner-/Fisch-Farmen. In den Gebäude über dem Wasser werden die Hühner gehalten. Hühnerkacke und Futterreste fallen als Fischfutter in den darunter liegenden Teich. Ein ziemlich cleveres System.

 

 
Bootsfahrt Mandalay - Nyaung U (9.1.2015)

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Für die heutige Schiffsreise stehen wir genau so früh auf wie zum Ballonfahren (damit wir nicht aus dem Rhythmus kommen). Der Jetty ist um 0615 Uhr schon gut gefüllt mit Touristen, die alle den besten Platz an Deck ergattern wollen. Einer übertreibt es beim Vordrängeln ein wenig, er ist aber schnell in die Schranken gewiesen. Irgendwie hat es Golden Express geschafft, für uns die besten Plätze an Bord zu reservieren, sodass wir die Reise an privilegierter Stelle in bequemen Korbstühlen angehen können.

Extrem pünktlich um 0700 Uhr beginnt die gemütliche Fahrt den Ayeyarwaddy hinunter. Bald passieren wir die spektakuläre Szenerie der vielen weissen und goldenen Pagoden auf den Hügeln von Sagaing. Danach sind es eher die vielen Details des kleinen Alltags am Flussufer, die die Reise abwechslungsreich machen. Zwischendurch reicht es auch für ein kleines Nickerchen und natürlich darf auch die Verpflegung nicht zu kurz kommen. So vergeht der Tag interessant und gemütlich und um ca. 1830 Uhr kommen wir am Jetty von Nyaung U an. Wir freuen uns bereits auf die sicher wieder faszinierenden Fahrten über die tausenden Pagoden von Bagan.

 

 
Bagan (10. - 12.1.2015)

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Im Stadion gleich neben der Shwezigon-Pagode stellen wir unsere Ballone für die erste Morgenfahrt in Bagan auf. Wir haben Gastrecht bei "Balloons Over Bagan" und warten deshalb, bis alle weinroten Ungetüme in der Luft sind. Gemächlich geht es knapp über Grund Richtung Ayeyarwaddy, ganz nahe an der goldenen Stupa der Shwezigown-Pagode vorbei. Wir steigen danach etwas höher, um Richtung Süden zu kommen und die vielen weiteren Padogen aus der Nähe geniessen zu können. Entsprechend der Einschätzung aller Profi-Piloten sind die Windverhältnisse an diesem Morgen etwas speziell, das schmälert die Faszination der Fahrt allerdings in keiner Art und Weise. Gemütlich beenden wir unsere Luftreise über hunderte von Stupas nach einer guten Stunde in der Nähe der Bagan Lodge, wo unsere Crew bereits auf uns wartet.

Gemächlich geht der Tag weiter: nach einem ausführlichem Frühstück geht es per Fahrrad zum Markt in Nyaung U. Für die Abendfahrt starten wir vom Golden Eagle-Feld. Die Impressionen im Abendlicht sind nochmals anders als am Morgen. Ballontechnisch ist die Fahrt etwas anspruchsvoller, sobald wir in Bodennähe sind, denn es bleibt bis nach Sonnenuntergang recht lebhaft. Wir landen stehend in einem grossen Feld, nachdem wir auf Palmwipfelhöhe noch mit 15 km/h unterwegs waren. Ein anderer Ballon landet absolut ruhig, die Hülle wird allerdings ein paar Minuten danach durch eine heftige Böe über einen Kaktusbaum gedrückt, wo er liegen bleibt. Nach längeren Beratungen blasen wir die Hülle nochmals an und heben sie so wieder vom stacheligen Hindernis ab. Dank dem Hot Air Top-Stoff von MM-Technics überlebt die Hülle völlig schadlos!

Der Schreiberling nimmt danach eine 24-stündige Auszeit in Form einer kleinen Magen-Darmgrippe, die anderen Piloten unternehmen derweil je eine weitere Morgen- und Abendfahrt. Den einen freut´s, den anderen reut´s! Zeitgerecht zur Abschlussfahrt bin ich auch wieder auf dem Dampfer und kann mit 3 burmesischen Helfern noch eine letzte Morgenfahrt über die Shwezigon-Pagode und hinaus in die weite Ebene geniessen. Bei der Dhammaynghyi-Pagode machen wir noch eine Zwischenlandung, damit wirklich alle unserer burmesischen Bodenhelden in die Luft kommen. Nach der Landung auf einem Feldweg weit im Süden der Ebene stellen wir fest, dass ein Zwischenstück durch unsere LKW nicht befahrbar ist. Schnell sind zwei Ochsenwagen zur Stelle, die unsere Material problemlos bis zur nächsten Strasse bringen. Retrieving Burmese way.

Nach einem faulen Tag mit einem Abstecher zum erstaunlich touristenfreien Tempel-Jahrmarkt bei der Ananda-Pagode und mit Lackwaren-Shopping nehmen wir mit einem Nachtessen im Sunset Garden hoch über dem Ayeyarwaddy Abschied von Bagan.

 

 
Yangon (13./14.1.15)

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Unmittelbar nach unserer Ankunft in Yangon am Dienstag Morgen fahren wir zum Center for Vocational Training (CVT), das durch Schweizer initiiert wurde und das zum Ziel hat, die Berufsausbildung in Myanmar nach dem Schweizerischen dualen Bildungssystem zu fördern. In 5 verschiedenen Berufsgattungen (Schreiner, Elektriker, Metallbearbeiter, Gastronomen und Administrativmitarbeiter) werden junge Schulabgänger während 3 Jahren zu Berufsleuten ausgebildet. Post Graduate-Kurse zielen zudem auf die Starthilfe für Jungunternehmer sowie auf die Ausbildung zu Instruktoren, um das Konzept im Land zusätzlich verbreiten zu können. Ausserdem werden in einzelnen Regionen von Myanmar auch Kinder im Alter von 13 bis 14 Jahren, die die Grundschule wegen unterschiedlichsten Problemen zu früh verlassen, in speziellen Kursen wieder "eingefangen", um sie danach ebenfalls der Berufsausbildung zuführen zu können. Die Schule hat seit ihrer Gründung im Jahr 2002 enorm zugelegt und bildet heute rund 700 Jugendliche aus, der Hauptteil davon in der dreijährigen Lehre.

Am Nachmittag verpacken wir die Ballone für die lange Rückreise in die Schweiz und "stopfen" die Zwischenräume noch mit diversen etwas sperrigeren Souvenirs. In der Dämmerung darf natürlich ein Besuch in der Shwedagon Pagode nicht fehlen, bevor noch ein letztes Farewell-Dinner auf dem Programm steht. Am Mittwoch, unserem letzten Tag in Myanmar, stehen wir nochmals früh auf, um ein weiteres Mal die nahe liegende Shwedagon Pagode in der Morgendämmerung zu umrunden. Die Stimmung ist ohne jegliche Touristen wie immer friedlich und entspannt. Interessant ist, dass selbst für das Gebet die omnipräsenten Mobiltelefone Einzug gehalten haben: diverse Gläubige benutzen es, um den Gebetstext aus dem Internet ablesen zu können.

Nach dem Frühstück machen wir noch einen Kurzbesuch im Scotts-Markt, dem Inderviertel und dem Strandhotel und dann ist eine weitere tolle Myanmar-Reise leider bereits wieder Geschichte.

Was bleibt neben all dem bereits Geschilderten hängen: Vieles hat sich in den letzten Jahren (noch) nicht verändert. Vor allem ausserhalb der grossen Städte sind die Leute von einer unvergleichlichen Offenheit, Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Im praktischen Alltag dominieren weiterhin einfachste Hilfsmittel, von Industrialisierung ist noch wenig zu sehen. Die Saläre der normalen Bevölkerung sind auf einem fast unerträglich tiefen Niveau geblieben und trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) ist die Grosszügigkeit der Burmesen fast beschämend. Am anderen Ende der Skala scheint sich vor allem in den grossen Städten wie Mandalay und Yangon eine "Elite" zu entwickeln, deren Umgang mit Wohlstand noch trainiert werden müsste. Maseratis, Porsches und selbst Rolls Royce sind keine Seltenheit mehr im Strassenbild von Yangon. Die Immobilienpreise steigen aufgrund der grassierenden Spekulation in Höhen, die an attraktiven Lagen das Niveau von Singapur und Bangkok erreicht. Geldautomaten schiessen fast wie Pilze aus dem Boden, auch wenn sie unmittelbar vor oder selbst innerhalb einer Pagode zu stehen kommen. Noch vor drei Jahren war der Besitz eines Mobiltelefons für den Normal-Burmesen so undenkbar wie ein Flug zum Mond, heute sind die Geräte fast für jedermann erschwinglich. Die Folgen des sich dadurch fast über Nacht veränderten Kommunikationsverhaltens werden sich erst in einigen Jahren manifestieren.

Die Entwicklung kann nicht (und soll wohl auch nicht) aufgehalten werden. Es bleibt aber zu hoffen, dass die Regierung und die Bevölkerung die vielfältigen Herausforderungen in einer Art und Weise meistert, bei der die einzigartige Kultur und Mentalität in Buddha´s goldenem Paradies nicht auf der Strecke bleibt.