Burma 2012

Samstag, 28.1.2012

WTV-2012-0022206:15     Ziemlich pünktlich landen wir nach einer langen Nacht im A380 in Singapur: Aussentemperatur 29°C, Innentemperatur Kühlschrank. Wir trinken in einer Flughafenbar ein Perrier (für Yvonne war es ein gefühltes Bier) und nach dem obligaten Whisky-Shopping sind wir schon bald wieder in der Luft Richtung Yangon.

09:30     Die Einreise nach Myanmar verläuft problemlos: keine Deklarationen und keine Checks. Im Hotel treffen wir diejenigen Teilnehmer, die auf anderen Wegen bereits früher eingetroffen sind. Nach einem Frühbier auf der Terrasse und einem ersten Geldwechsel (beigenweise Kyats) beziehen wir unser Zimmer.

12:15     Zu viert unternehmen wir eine Stadtrundfahrt mit einem Bus für 30 Personen. Der immer lachende Mr. Hen bringt uns zuerst zu einem 70m langen liegenden Buddha, einem der grössten dieser Art im Land. Eine thailändische Reisegruppe mit eigenen Mönchen hält eine grössere Gebetsübung ab. Dann geht es weiter zum Kandaurgyi-See (schmusende Paare und Betonrestaurant in Form der königlichen Barke). Von hier aus ist die Sicht auf die Shwedagon-Pagode besonders schön. Überfüllte, stinkende Pick-Up Busse und Girls in modischen High Heels sind ein extremer Kontrast. Nach einem kleinen Abstecher zum Scotts-Market und der vom Verkehr umzingelten Sule-Pagode wartet als krönender Abschluss noch die Shwedagon-Pagode auf uns. Anders als vor 27 Jahren kommt man heute per Rolltreppe zur Plattform hinauf. Es herrscht ein friedliches, emsiges Treiben und eigentlich findet man erstaunlicherweise nur sehr wenige Touristen. Wunderschön glänzen die vielen kleinen goldenen Türmchen im Nachmittagslicht und die Hauptstupa ist schlicht überwältigend. Wir kurven einmal im üblichen Uhrzeigersinn um die Stupa und können uns an den vielen Details kaum satt sehen. Wir werden Zeugen einer Novizenzeremonie, die abgehalten wird, wenn die Kinder zum ersten Mal ins Kloster gehen. Kitschig-lustig sind die LED-Leuchtkränze für die erleuchteten Buddhas.

19:00     Nach einer kurzen Pause fährt der ganze Club zu einem nahe gelegenen chinesischen Restaurant. Das Eröffnungsessen ist von Golden Express gesponsert. Überall finden Hochzeitsfeiern statt, offensichtlich ist das Datum am Beginn des chinesischen Drachen-Jahres günstig dazu.

22:00     Nach dem ersten Foto-Download schlafen wir bald tief und fest, ohne Halt bis 07:30 am nächsten Morgen. Ganz offensichtlich waren wir etwas müde!

 

 
Sonntag, 29.1.2012

WTV-2012-0027609:30     Nach dem Frühstück auf der Hotelterrasse und der Fahrt zum Flughafen vertreiben wir uns die Wartezeit bis zum Boarding an der Kaffeebar. Wir plaudern mit dem Bedienungspersonal über unsere Reise, die Familien, Haarfarbe usw. Der Espresso ist nicht ganz gratis (2000 Kyats), dafür bekommen wir nach einer gewissen Anfreundungsphase fast literweise kostenlosen Tee.

11:40     Mit etwas burmesischer Verspätung fliegen wir mit einer (neuen) Propellermaschine Richtung Heho. Auf dem Flugfeld sehen wir beim Einsteigen noch 2 der alten Maschinen, mit denen wir 1985 unsere erste Burmareise gemacht haben. Hoffentlich sind die nur noch Dekoration am Boden! Nach einem kurzen Flug landen wir in Heho, worauf wir eigentlich gerne den Zug nach Shwe Nyaung nehmen würden. Da dieser erst in 2 Stunden kommen würde, müssen wir leider verzichten. So tuckern wir auf holprigen Strassen über den kleinen Pass am Eisenbahn-Kreiselviadukt vorbei nach Nyaung Shwe.

15:40     Wir wollen nach dem Auspacken noch eine kurze Erkundungsschleife in der Nachbarschaft unseres gemütlichen Hotels machen, werden aber durch einen Schwarm burmesischer Kampfbienen gestoppt. Yvonne wird komplett verstochen und wird die Viecher nur dank tatkräftiger Hilfe eines jungen Burmesen und vieler Kübel Wasser aus dem Kanal los. Es braucht danach den Einsatz unserer gesamten medizinischen Abteilung, denn das Bienengift wirkt sich offensichtlich negativ auf die Atmung aus.

16:15     Mit etwas bienenbedingtem Rückstand fahren wir zum Platz neben irgendeinem Freiheits- oder sonstigem Denkmal und mit tatkräftiger Unterstützung unserer burmesischen Crew beginnen wir mit dem Aufrüsten der Ballone. Wir werden von Heerscharen von Burmesen umringt. Beim Starten des Venti reisst mir das Seil (zu viel Kraft?!) und natürlich brauche ich danach für den Spott nicht mehr zu sorgen. Der Start (mit dem anderen Venti) ist böig, funktioniert aber problemlos. Yvonne bleibt bienenstichbedingt am Boden. Unsere Fahrt (mit Fritz und Bossi) dauert infolge zügiger Winde und spärlichen Landemöglichkeiten lediglich ca. 20 Minuten. Bei der Landung dreht der Wind um 180° und wird sofort langsam; kein Problem also.

In der Zwischenzeit ist Yvonne mit Regine und Pon-Cho für einen Kaffeemix (2 für 600 Kyats) zum Markt gefahren. Dort kaufen sie zur Sicherheit gleich 3 Seile für den Venti (à 500 Kyats). Offenbar besteht die Auffassung, dass ich wohl noch mehr Schaden anrichten werde, sodass man 2 Reserven als angemessen betrachtet.

22:30     Nach einem Bier in einer Beiz an der Hauptstrasse gibt es bald ein gutes Nachtessen im Hotel und nach dem üblichen Foto-, Whisky- und Tagebuchprozedere schlafen wir bald ein. Am nächsten Tag geht es früh wieder auf die Piste resp. auf das Wasser.

 

 
Montag, 30.1.2012

WTV-2012-0033505:15     Schon etwas früh, die Tagwache! Da wir um 06:00 mit dem Schiff abfahren wollen, muss dies aber halt so sein. Die Fahrt durch den Kanal auf den See hinaus ist kühl, aber trotz Warnungen nicht unmenschlich. Langsam wird es hell an den Hügelkreten am Horizont und wir überholen nach und nach die mit Ballonen und Gasflaschen voll beladenen Materialboote. Durch schwimmende Felder geht es bis zum kleinen Dorf, wo wir („balloon, balloon!“) einen Pilotballon steigen lassen. Die Windrichtung ist zwar in den untersten 100 – 200m nicht perfekt. Die Damen interpretieren die Beratungen der Piloten derart, dass man solange schaut, misst und diskutiert, bis es dann doch geht.

08:00     Nach dem Materialschleppen starten wir schon bald von einem Schulhausplatz und schweben über die Hausdächer hinaus zu den schwimmenden Feldern und zum offenen See. Die Perspektive ist traumhaft, fast zu schön, um weiter zu fahren. Auch Luzia und Urs sind begeistert und das ändert sich auch nicht massgeblich, als ich den Ballon aufgrund eines Missverständnisses mit dem Bootsführer kurz ein paar Zentimeter ins Wasser setze. Beim 2. Anlauf klappt dann die Landung auf dem extrem schmalen Boot perfekt.

Nach kurzer Seefahrt mit Motorunterstützung heben wir wieder ab und steigen relativ rasch auf knapp 2000 Meter, um die von Peter übermittelten Winde ans linke Seeufer zu suchen. Das gelingt dann einigermassen, allerdings müssen wir mangels anderer trockener Plätze auf dem Strässchen quer zu den Alleebäumen landen. Perfekt kommen wir mit etwas Seilhilfe vom Boden auf den Weg hinunter und können dort auch gleich zusammenpacken. Damit mein Scoop intakt bleibt, klettert einer der Einheimischen kurzerhand auf den Baum und befreit den Ballon von den dürren Ästen.

10:00     Zurück geht’s per LKW auf der Ladebrücke zu einem Coffee-Mix mit Samosas. Danach gibt es Siesta und für Yvonne und Dorothee auf dem Markt eine Nudelsuppe in Gesellschaft von diversen Vietnamesen und einem gesprächigen Amerikaner.

16:00     Wieder fahren wir zu unserem Abendstartplatz, sind beim Aufstellen etwas früher und die Winde damit noch etwas bockiger als am Vortag. So ist es wenig verwunderlich, dass ich ein kleines Guckfenster in die Hülle brate. Wir können etwas höher oben leicht nach Norden korrigieren und fahren deshalb auch etwas länger als gestern. Die Passagiere heute sind Yvonne, Urs und Armin. Die Landung von Res und Peter, die wir von oben beobachten, verläuft ziemlich rasant und bei uns sieht es in der Grundschicht auch nicht wirklich besser aus. Als ich schon eine Reissbahnlandung hinter einem Zuckerrohrfeld vorbereiten will, wird es doch noch ruhiger und wir landen gepflegt in einem Feld zusammen mit Rudi und David. Beim Zusammenpacken werden wir wieder von Dutzenden Burmesen unterstützt. Einzig der Abtransport aus dem Feld über einen kleinen Steg, durch einen Gemüsegarten und zwischen Hütten hindurch ist aufgrund der Distanz etwas mühselig.

19:30     Nach einem Bier (oder zwei) vor dem Hoteleingang radeln wir mit unseren Mietvelos zum Chinesen für das Nachtessen. Vor allem der Fisch verdient besonders hochgradige Belobigung. Anschliessend geht’s nach dem Abendritual müde und zufrieden in die Heia.

 

 
Dienstag, 31.1.2012

WTV-2012-0035105:25     Der Morning Call von 05:15 kommt etwas spät, sodass sich die Ereignisdichte bis zur Abfahrt um 05:45 ziemlich erhöht.

06:00     Vor einem schönen Sonnenaufgang geben die Fischer auf dem Inle-See ein idyllisches Bild. Allerdings sind sie kaum wegen der Idylle um diese Zeit auf dem Wasser draussen. Die meisten arbeiten mit normalen Netzen, die traditionellen Körbe sind nur noch spärlich zu sehen.

07:40     Der „balloon-balloon“-Test hat günstige Winde ergeben, sodass nach der Material-Trageübung schon bald gestartet wird. Die Winde tragen uns etwas weiter links über das nächste Dorf. Eine traumhafte Szenerie gleitet unter uns vorbei und unzählige Dorfbewohner lachen und winken uns zu. Die meisten Kinder sind mit ihren Mahlzeiten-Büchsen auf dem Weg zur Schule. Draussen auf dem See erweist sich der Bootsführer als extrem geschickt: er manövriert sein Boot ganz alleine unter den Korb und auch ohne weitere Hilfe funktioniert die Landung wie ein Kinderspiel.

09:20     Die Fahrt auf rund 1800m ist gut steuerbar und so landen wir am Ende der Feuchtzone hinter einem Dorf problemlos auf einem Feld. Bald sind die Helfer da und mit dem Support der unzähligen Dorfbewohner ist alles schnell verpackt. Der „Rädelsführer“ aus dem Dorf strahlt vor Glück über alle Backen angesichts der 7000 Kyats, die wir ihm für ihn und seine Kollegen geben. Die anschliessende Fahrt zur Hauptstrasse gestaltet sich durch einen relativ dichten Bambuswald ziemlich abenteuerlich. Auf dem Damm machen wir bei Opi’s Landeplatz einen kurzen Coffee-Mix Halt und ich knipse nach einem kleinen Balanceakt über einen Kleinst-Bambussteg die Wasserbüffel auf ihrem nassen Arbeitsweg.

10:45     Nach der Rückkehr durchkämmen wir den Wochenmarkt ausgiebig auf der Suche nach Kaufbarem, was angesichts der enormen Talente der besten aller Gattinnen keine grosse Herausforderung darstellt. Zuletzt sind wir erleichtert, dass sich für die Nudelsuppe eine Sponsorin findet, sonst wären wir wahrscheinlich jämmerlich verhungert.

15:45     Nach etwas Veranda-Smalltalk mit Opis‘ stelle ich beim Versuch, den Foto-Akku zu laden fest, dass das Ladegerät auch schon besser funktioniert hat. Gut, dass Luzia und Urs den gleichen Fotoapparat haben, somit ist die Welt wieder gerettet. Aufgrund der böigen Winde aus ungünstiger Richtung müssen wir die Abendfahrt leider absagen.

16:30     Per Velo fahren wir zu einem kleinen Restaurant mit Dachterrasse, von wo aus wir einen guten Überblick über die Be- und Entladearbeiten am Kanal haben. Und – fast hätte ich es vergessen – Bier mit Snacks gibt es auch. Dergestalt vorbereitet sind wir in bester Verfassung für einen Caipirinha beim „Italiener“. Diesem Drink lassen wir zum Nachtessen Pizza, Gnocchi und Tagliatelle folgen.

21:15     Eine Whisky-Schlummerbecher-Runde in grösserer Gesellschaft auf unserer Terrasse beschliesst den dritten Tag in Nyaung Shwe.

 

 
Mittwoch, 1.2.2012

WTV-2012-0044706:00     Wie eine Uhr läuft das Morgenprozedere ab, sodass wir pünktlich Richtung Insel-Startplatz ablegen. Auf der heutigen Morgenfahrt begleiten uns Ursulina und Fritz. Im Dorf, das wir kurz nach dem Start überqueren, brennt das Dach einer Vorratshütte und es ist eindrücklich, wie die Leute von überall her mit Eimern zu Hilfe eilen. Obwohl die Eimer-Methode alles andere als optimal erscheint, ist das Feuer zu unserer Überraschung bereits nach kurzer Zeit gelöscht. Die Winde drehen gegenüber dem Vortag deutlich Richtung Osten und nach einer weiteren wunderschönen Seeüberquerung landen wir nach einer Fahrt von 1:45 Stunden in der Nähe der Strasse auf einem abgemähten Zuckerrohrfeld.

11:30     Zusammen mit Sabine fahren wir per Boot in den Süden des Inle-Sees nach In Paw Khon. Wir haben das Glück, dass zu unserer Ankunftszeit alle anderen Touristen an den Futternäpfen hängen. Deshalb haben wir die ganze Weberei und den Shop für uns alleine. Ein älterer Mann zeigt uns die Gewinnung von Fäden aus Lotus-Stängeln, aus denen später dann die Gewebe entstehen, je nachdem rein oder gemischt mit Baumwolle oder Seide. Yvonne’s Begeisterung über dieses Webmaterial beflügelt sie zum Kauf des halben Ladens. Schliesslich reicht das hart ersparte Geld auch noch für ein Hemd für den Schreiberling. Die andere Hälfte des Ladens geht an Sabine. Zeit fürs Mittagessen haben wir danach natürlich nicht mehr und wir machen uns nach dem Besuch eines weiteren Stoffladens wieder auf den Rückweg. Der Zeitpunkt dafür ist perfekt, denn bei unserer Abfahrt tauchen gerade wieder die ersten, frisch verpflegten Touristen auf.

15:00     Nach rund einstündiger Bootsfahrt kommen wir zurück ins Hotel, wo wir um 16:00 wegen erneut zu starken Winden die Abendfahrt wieder absagen müssen. Dies gibt uns Zeit für ein kühles Bier am gleichen Ort wie am Vortag.

19:00     Nachtessen gibt es wieder im chinesischen Restaurant (auch heute wieder bestens). David prüft danach die Tafelrunde mit ein paar Rätseln, die einzelne wohl noch längere Zeit beschäftigt haben. Nach der Rückkehr ins Hotel müssen wir leider bereits wieder packen, denn am nächsten Morgen geht es weiter nach Mandalay.

 

 
Donnerstag, 2.2.2012

WTV-2012-0052407:30     Das Gepäck ist verladen (inkl. Rudi’s Schuhe: siehe weiter unten!) und wir holpern auf der „road to Mandalay“ Richtung Norden (wenn auch nicht auf derjenigen von Kipling). Das Eisenbahn-Viadukt steht noch und auch heute ist kein Zug weit und breit. Bald machen wir in Aungpan einen ersten Halt für Coffee-Mix und Toilette.

10:00     Gestärkt geht es holperdipolter weiter Richtung Kalaw. Schon bald ist der Abhang auf der rechten Strassenseite für deutsche Nerven an der Grenze des Erträglichen und es werden diverse Horrorszenarien durch diskutiert. Mit der Zeit sind Mägen und Blasen ziemlich strapaziert. Letzteres verleitet Rudi, uns in die Geheimnisse der ballonfahrerisch korrekten WC-Methode mittels Verhüterli einzuweihen. Im Laufe der Diskussion ergibt sich für dieses Verfahren eine klare Akzeptanz-Grenze entlang der Trennlinie Männlein / Weiblein. Kurz bevor biologisches Unheil eintritt, erreichen wir dann zu Rudis Erleichterung eine grössere Toiletten-Anlage mit angegliedertem Restaurant. Dort machen wir Mittagspause.

Auch nach dem Mittagessen wird im Auto weiterhin Essen verteilt: ausgehend von Dorothee kommt Gesundes (Früchte) von vorne nach hinten, Adolf sendet im Gegenzug weniger Gesundes (Kekse u.ä.) von hinten nach vorne. Beides findet besten Absatz.

13:50     Wir machen einen Fotostopp an einer Barriere, die immer dann wieder schliesst, wenn wir gerade für die Weiterfahrt bereit wären. Besonders angetan sind wir dann kurze Zeit später von einer veritablen Novizen-Prozession, an der wir mitten auf dem Land vorbei fahren und nach einem Notstopp ausführlich fotografisch dokumentieren.

Nach einem letzten Brünzli-Halt etwa ¾ Stunden vor Mandalay finden wir hinter dem Restaurant den ersten anständigen Zug der Reise und im Restaurant die ersten Betrunkenen des Tages.

17:30     Kurz vor Sonnenuntergang treffen wir im Swan-Hotel ein, wo wir uns nach dem Zimmerbezug ein Bier an der Bar genehmigen. Bald trifft auch das Flugreise-Team ein und bald danach gehen wir zum Nachtessen in den Green Elephant einen Block um die Ecke. Begleitet werden wir von Dr. Robin Chan und seinem Team, die per Ambulanz eingetroffen sind. Der Abend wird vor, während und nach dem Essen eindeutig durch die Frage der Fragen dominiert: wo sind Rudis Schuhe? Bislang sind sie nirgends.

Die Dusche liefert nur ein kaltes Rinnsal und so gehen wir ziemlich cool ins Bett, beeindruckt von einem weiteren ereignisreichen Tag.

 

 
Freitag, 3.2.2012

WTV-2012-0067606:15     Da sich auch beim Kurz-Frühstück am grossen Buffet die Frage nach Rudi’s Schuhen nicht klärt, rumpeln wir ohne dieselben Richtung Amarapura. Die Routenwahl der verschiedenen Fahrer ist uneinheitlich und wird demzufolge intensiv und kontrovers diskutiert. Auf verschiedensten Wegen kommen aber letztlich alle Fahrzeuge zur U-Bein-Brücke. Im frühen Morgenlicht bietet sich uns ein malerisches Bild der längsten Teakholz-Brücke, welche die Mönche auf ihrer morgendlichen Betteltour überqueren.

Viel Zeit zum Träumen bleibt aber nicht, denn wir wollen ja schliesslich in die Luft. Mit vereinten Kräften werden die Ballone aufgerüstet und bald heben wir ab. Wir korrigieren in der Höhe etwas über das Dorf Amarapura, um dann tief über die Dächer zu gleiten. Unten pulsiert das Leben in vollen Zügen, Leute winken und rufen und von überall her tönt das Klick-Klack der Webstühle.

07:50     Bei einer kurzen Zwischenlandung sind wir sofort umringt von Heerscharen von Dorfbewohnern, die alle unsere Hände schütteln wollen. Anschliessend fahren wir auf nur wenig unterschiedlichen Höhen noch einmal hin und zurück. Ursulina stellt dabei ihre Sugus-Wurfkünste unter Beweis, sehr zur Freude der vielen Kinder. Die Endlandung machen wir mit einer kleinen Kurve in den „Final“ gleich neben David.

Auf der Heimfahrt halten wir zuerst für einen kurzen Coffee-Mix, danach für einen langen Besuch im Seidenladen.

11:30     Kurz nach der Rückkehr ins Hotel brechen wir wieder auf zur Stadtrundfahrt. Die erste Etappe ist das alte Teakholz-Kloster Shwenandaw Kyaung. Nach dem Besuch des nachgebauten Königspalastes (das Original wurde durch die Japaner im 2. Weltkrieg zusammengebombt) sind die meisten reif für ein Mittagessen. Angesichts der Portionen im unterkühlten und für uns fast zu noblen Restaurant bleibt garantiert niemand hungrig.

14:45     Auf der Nachmittagstour machen wir der Reihe nach Halt bei den Goldhämmerern (Muskeln), den Steinmetzen (Staub), den Messinggiessern (Legierung Handgelenk mal Pi) sowie in einem Shop mit Holzschnitzereiarbeiten und Stickereien. Yvonne wird quasi zum Dank für die getätigten Einkäufe zu Fotozwecken in die Kleidung eines lokalen Volksstamms gesteckt. Ob Speer und Schwert allerdings zur Frauentracht gehören, müsste noch vertieft geprüft werden. Den anschliessenden 5 o’Clock Tea nehmen wir in der bereits bestens bekannten Seidenweberei ein, wobei der Hauptgrund des Besuchs gemäss verschiedenen übereinstimmenden Aussagen nicht der Tee gewesen sein soll.

Bei der Rückkehr ins Hotel stellt Rudi erleichtert fest, dass seine Schuhe auf wundersame Weise wieder aufgetaucht sind. Für das Nachtessen teilen sich die Wege, für den abendlichen Schlummertrunk kommen dann aber alle wieder zurück zur Hotelbar.

 

 
Samstag, 4.2.2012

WTV-2012-0072805:45     Mit einem 4er Vorausdetachement fahren wir bereits zur U-Bein-Brücke, damit die kostbare Zeit am Morgen möglichst gut genutzt werden kann.

So sind wir dann schon bald in der Luft. Auch heute hat es etwas zu viel Wind für einen Touch-and-Go auf der Holzbrücke. Wieder geniessen wir das Klick-Klack der Webstühle, die Frühgesänge in den Klöstern und die vielen winkenden Burmesen. Zur Freude vieler Dorfbewohner machen wir 2 Zwischenlandungen und können uns dabei des Ansturms fast nicht erwehren.

08:25     Die Fahrt – zusammen mit Luzia und Urs – endet auf einem grossen Fussballfeld in der Nähe der Ayeyarwady-Brücke nach Sagaing. Auf der Rückfahrt gibt es Coffee-Mix, Seidenweberei und einen erneuten Abstecher zur Messing-Giesserei (für Gongs und Glöckchen). Auch der Holzschnitzerei-Laden kommt nochmals zum Zug, Buddhas gibt es hier schönere und günstigere als zuhause!

13:00     Nach kurzer Siesta resp. Mittagessen fahren wir zur anderen Seite des Flusses, wo uns Dr. Chan mit sichtlichem Stolz das an ein Kloster angegliederte Spital zeigt. Mit Witz und Charme führt er uns durch sein zweckmässiges, sauberes Krankenhaus, in dem die Mönche kostenlos und die Dorfbewohner zu minimalen Kosten medizinisch versorgt werden.

Der kurze Aufstieg zum Mönchskloster ist eher unergiebig. Etwas oberhalb kleben ca. 50 kleine Hütten am Hang, in denen Leute aus aller Welt beherbergt werden, die für ein paar Wochen (kostenlos) zur Meditation hierher kommen.

Für uns steht Meditieren eher im Hintergrund, schliesslich wollen wir jetzt Ballon fahren. Die 200m Distanz zum Fussballplatz erweisen sich als 2km, sodass der Fussmarsch dorthin einige Zeit in Anspruch nimmt.

17:00     Mit der Filmcrew von Myanmar International TV hebe ich ab, in gemütlicher und bis fast zuletzt gut steuerbaren Fahrt geht es parallel zum Ayeyarwady nordwärts. Die Bodencrew folgt uns mit Stopps für Coffee-Mix, für Blumenkränzlein im Haar der Damen und für ein improvisiertes Kindersingen unter der Leitung von Luzia. Einladungen zum Nachtessen erhalten sie auch und als eine ältere Dorfbewohnerin begreift, dass jetzt dafür keine Zeit sei, bringt sie warme Maiskolben zur Verpflegung von Luft- und Bodencrews. Dafür hatten wohl die Burmesen nichts Warmes zu essen.

Infolge fehlender Windkomponenten Richtung Fluss gestaltet sich unsere Landung buchstäblich filmreif: zwischen diversen Bäumen landen wir direkt auf der Hauptstrasse und sorgen kurzfristig für einen mittleren Verkehrsstau. Auf dem Rückweg ist es bereits dunkel, sodass das Zusammensammeln der verschiedenen Detachemente etwas Zeit in Anspruch nimmt.

19:30     Nachtessen gibt es im Happy-Hotel, das Armin mit offensichtlich geschultem Auge sofort als Stundenhotel identifiziert. Ob er mit dieser Auslegung richtig liegt, bleibt dem Urteil des geneigten Lesers überlassen. Das chinesische Essen jedenfalls ist sehr gut und ausschliesslich deswegen sind wir ja auch hergekommen.

Auf dem Heimweg gleicht der Bus eher einem Schlafwagen und da die Seidenweberei um diese Zeit (leider) bereits geschlossen ist, verläuft die Rückfahrt eher zügig.

 

 
Sonntag, 5.2.2012

WTV-2012-0083806:00     Zu christlicher Zeit stehen wir auf und packen unsere Siebensachen, aufgeteilt in Gepäck nach Pakokku und solches nach Bagan. Nach Frühstück und kurzer Busfahrt besteigen wir das Boot, das uns an diesem Tag nach Pakokku bringen wird. Den Nachteil der Aussichtsplätze auf dem 2. Oberdeck erkennen wir relativ bald: das Kamin russt gewaltig und wirft von Zeit zu Zeit ganze Russ-Stücke aus. 2 Franzosen, die gerade noch mit vollem Einsatz um die vermeintlich besten Plätze gekämpft haben, ergreifen schon bald wieder die Flucht. Je nach Sonnenstand zügeln auch wir noch einige Male, die Russgeschichte haben wir aber gut im Griff. Wir geniessen die ruhige Flussfahrt und lassen Landschaft und Dorfleben wie in einem langsamen Film an uns vorbeigleiten.

Trotz langer Fahrt von rund 8 Stunden vergeht die Zeit schnell. Dösen, Tagebuch Schreiben, Fotografieren, Lesen usw. sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Zwischendurch futtern wir Nudelsuppe oder Fisch-Curry und erstehen ein paar Bananen während einem „Touch-and-Go“-Halt unterwegs. Das hinübergereichte Geld fällt dann zwar ins Wasser und kann trotz einer grösseren Rettungsübung per Boot nicht mehr herausgefischt werden. Offenbar kann keiner der Einheimischen schwimmen. Theres spendiert die Melone, die sie 3 Tage zuvor von einem alten Mann geschenkt bekam, als er zum ersten Mal in seinem Leben überhaupt westliche Ausländer sah.

16:15     Kurz nach dem Passieren der brandneuen Eisenbahn-Strassen-Kombibrücke legen wir am Schiffsteg von Pakokku an und werden sofort von Mädchen und Frauen bedrängt, die Souvenirs gegen Parfum, Shampoo oder Lippenstift tauschen möchten. Wir fahren mit den wartenden Bussen direkt zum Fussballplatz von Pakokku, wo Peter, Opi und Annina bereits die Körbe vorbereitet haben. Wir müssen fast nur noch einsteigen und starten: Ballonfahren de luxe.

Nach dem Start stellt sich die Gegend als offensichtliches Industrie-Entwicklungsgebiet dar. Wir hängen eine Zeitlang über einem Stromverteiler, eine neue Strasse ist im Bau und eine Eisenbahnlinie gibt es auch. Das Rollmaterial hat einzig noch etwas Nachholbedarf. Nicht weit von einer bestehenden Fabrik sind zwei weitere im Entstehen, inklusive den dazu gehörenden Arbeitersiedlungen. Pagoden sind hier eher Mangelware. Als wir über dem nächsten Dorf wieder absteigen, werden wir auch hier von vielen Burmesen begrüsst und das halbe Dorf folgt uns auf unserer Fahrt entlang der Strasse.

17:45     In einem Winkel von gefühlten 1-2 Grad überqueren wir die uns treu bleibende Stromleitung. Der Ausgucker Bossi meldet „Landeplatz in Sicht“ und schon kurz danach sind wir am Boden, eine veritable Staubwolke aufwirbelnd. Der Zuschauerandrang sprengt alles bislang Erlebte und wir haben Mühe, unsere Hülle überhaupt zusammenpacken zu können. Helfer hat es wie Sand am Meer und feinsten Bodensand hat es fast noch mehr. So bin ich zuletzt regelrecht eingepudert. Der Dorfpolizist beehrt uns ebenfalls mit seiner Präsenz. Er setzt sich mit der ganzen Würde seines hohen Amtes in Szene und notiert für das Protokoll so ziemlich alles, was er entziffern kann. Bis er auch alle anderen Ballone abgeklappert hat, muss er ziemlich unter Stress gestanden sein. Schnell ist danach alles auf dem Lastwagen und wir fahren zum Treffpunkt beim nächsten Restaurant, wo das rettende Bier in 4 verschiedenen Sorten auf uns wartet. Chips sind dank des guten Bier-Absatzes „on the house“.

19:00     Zum Nachtessen kehren wir in einem Restaurant in der Nähe unseres Hotels ein. Wir bewundern die malerische, saubere Küche mit diversen Holzkochstellen. Das darin zubereitete Essen ist reichlich und schmeckt ausgezeichnet.

Im Guesthouse wird das Entstauben etwas zur Herausforderung. Aus der Dusche fliesst nur ein jämmerliches Rinnsal und warmes Wasser ist heute auch nicht im Angebot. Aber irgendwie geht es auch so und nach einem Desinfektionswhisky schlafen wir bald ein.

 

 
Montag, 6.2.2012

WTV-2012-00924Da der Schreibende wie die meisten anderen der Gruppe von einem plärrenden Lautsprecher mitten in der Nacht geweckt wurde, mussten Ohrenstöpsel rein. Dies hat den Effekt, dass ich am Morgen den Wecker kaum höre. Da auch der Morning-Call ausfällt, wird das Aufstehen zu einem Alarmstart.

06:45     Nach kurzem Packen und noch kürzerem Tee nebenan fahren wir wieder zum Sportplatz und stellen die Ballone auf. Der uns zugeteilte Kameramann ist noch nicht auf voller Betriebstemperatur, aber schliesslich steht auch er im Korb. Zunächst fahren wir etwa 200 – 300m über Grund Richtung Fluss, steigen dann über dem grossen Markt ab und fahren tief zurück. Das Feld mit den Polizei-Rekruten verpassen wir zwar knapp, werden aber auch so von den angehenden Hütern des Gesetzes freundlich begrüsst. Kurz vor dem Tempel steigen wir dann höher und fahren mit dem Gradientenwind mit ca. 25km/h über den Ayeyarwady. In der Mitte mache ich auf der neuen Brücke noch einen kleinen Touch-and-Go: Brücke hält!

09:30     Die nachfahrenden Ladies besuchen den farbenfrohen Markt, wo Yvonne eine burmesische Gesichtsmaske erhält, sehr zur Freude der Burmesen. Die meisten Crews fahren nach der Landung auf der anderen Flussseite zurück nach Pakokku für Coffee-Mix und Marktbesuch.

Da Opi einen ziemlichen Kampf mit seinem Magen führt, bilden wir ein kleines Vorausdetachement und fahren direkt nach Bagan. Nach dem mageren Wasserangebot vom Vorabend tut jetzt die warme Dusche wirklich gut und eine köstliche Nudelsuppe im Stammlokal Pyi-Sone (kurz: Sonne) füllt den Magen.

16:00     Es geht los zur nächsten Ballonfahrt. Wir starten bei böigen Winden neben der Strasse bei der Iza-gaw-na Paya, einzig Opi hütet zusammen mit seinem Magen weiterhin das Bett. Aufgrund der Empfehlung, nicht auf die Fluss-Sandbank hinaus zu fahren, lande ich hinter einer Baumreihe und vor einem Erdnussfeld nach einer schnellen und eindrücklichen Fahrt über die vielen Stupas auf dem letzten Meter vor dem Fluss. Dass ich dabei aus lauter Blödsinn vergesse, den Brenner zu kühlen und deshalb ein Loch in die herunterfallende Hülle brutzle, ist eher peinlich und sei hier dem Tagebuch nur ganz vertraulich mitgeteilt. Für das Zusammenpacken müssen wir zuerst den aus trockenem Dornengestrüpp bestehenden „Zaun“ wegräumen, wie immer hilfsbereit unterstützt von vielen Dorfbewohnern.

Am Jetty von Old Bagan warten wir bei Bier und frittiertem Gemüse auf die Boote, die Peter, David und Res von der Sandbank zurück bringen. Ein feines Nachtessen in der Sonne beschliesst einen weiteren tollen Tag.

 

 
Dienstag, 7.2.2012

WTV-2012-0095705:15     Nach dem Wake-Up-Call gibt es ein kurzes erstes Frühstück im Garten, worauf wir uns auf die kurze Strecke zum Sportplatz machen. Dort liegen bereits 5 Riesenhüllen von „Balloons over Bagan“ fein säuberlich auf Schutztüchern ausgelegt. Wir flicken das am Vorabend produzierte Loch in unserer Hülle behelfsmässig mit Klebband und sind dann auch bereit zum Aufstellen

07:00     Urs macht heute seine erste Schulfahrt, dabei ist die langjährige Burma-Ballonerfahrung nicht zu übersehen. Im Morgenlicht erwartet uns eine traumhafte Stimmung. Hunderte von Stupas gucken zwischen leichten Dunst- und Nebelschwaden heraus und schaffen zusammen mit dem Sonnenaufgang eine unvergessliche Atmosphäre. Urs legt zwei einwandfreie Zwischenlandungen hin. Bei der Endlandung hält sich der Volksauflauf eher in Grenzen, ganz offensichtlich ist man sich hier bereits an Ballone gewöhnt.

09:30     Nach der Rückkehr ins Hotel nehmen wir im Garten ein zweites, ausführlicheres Frühstück ein und taufen Urs mit einem lokalen, etwas undefinierbaren Sekt (immer noch geeigneter als Bier!). Danach geniessen wir das Nichtstun und statten später dem Lackwaren-Shop einen Besuch ab.

Für einige Aufregung sorgt unsere Duscharmatur, aus der plötzlich nur noch Wasserdampf austritt. Dieser lässt sich nichts mehr stoppen und nach 30 Sekunden ist unser Bad ein veritables burmesisches Dampfbad. Der zu Hilfe gerufene Hauswart ruft nach seinen ebenfalls erfolglosen Stopp-Versuchen 2 weitere Mechaniker und nach kurzer Zeit hat sich mehr oder weniger das ganze Hotelpersonal in unserem Zimmer versammelt. Zuletzt muss die ganze Duscharmatur ausgewechselt, das Badezimmer mit 2 Ventis entdampft und danach einer ausführlichen Grundreinigung unterzogen werden.

16:00     Peter hat bei Balloons Over Bagan organisiert, dass mein Ballon genäht wird und letzterer erhält ein fachgerechtes goldenes „Pflästerli“. Nach durchgeführter Reparatur wird mir die Hülle sogar direkt auf den Startplatz gebracht, was für ein Service!

17:00     Vom Feld vor der Dhama-yan-gyi Pagode starten wir zur Abendfahrt. Urs 2 macht an diesem Nachmittag gleich 2 Fallschirmabsprünge hintereinander, wobei er beim zweiten den Notfallschirm einsetzen muss. Auf der 2. Schulfahrt von Urs 1 bringt uns der Wind relativ zügig Richtung Westen. Ein Korrekturversuch auf grösserer Höhe bringt nicht viel und so entscheiden wir uns zur Überquerung der goldenen Pagode in New Bagan und zur Landung bei gegen 15 km/h auf der ersten Sandbank hinter dem Brackwasser. Nachdem wir das Material die wenigen Meter ans Wasser zurückgebracht haben, kommt schon bald das Boot mit der Retrievecrew und so ist auch die etwas aufwändigere Bergung schnell erledigt. Unvergessen bleibt der Anblick der hell erleuchteten goldenen Stupa mit dem Vollmond im Hintergrund.

19:30     Ein kurzes Bier in der Hotellobby, ein Nachtessen in der Sonne und ein Verdauungswhisky im Zimmer stellen das restliche Abendprogramm dar.

 

 
Mittwoch, 8.2.2012

WTV-2012-0099205:15     Bedingt durch plötzlich auftretenden Parterre-Pfnüsel habe ich den zweiten Teil der Nacht unruhig und schlaflos verbracht, sodass ich bei der offiziellen Tagwache nicht besonders fit bin. Für eine Fahrt von Maienfeld nach Buchs hätte ich wohl forfait erklärt, aber hier beisse ich auf die Zähne.

06:45     Urs hat schon ganz routiniert aufgestellt und noch vor den bordeauxroten Balloons Over Bagan heben wir ab. Wir verpassen auch heute Morgen den Wind, der uns östlich des Flusses hält und entscheiden uns, die Bootsbergung vom Vorabend zu wiederholen. Gekonnt und sanft setzt Urs den Ballon auf den Sand, in unmittelbarer Nähe der Fähr-Anlegestelle. Die Dorfbewohner kommen reihenweise an uns vorbei mit Gemüse und anderen Gütern, die sie auf dem Markt auf der anderen Flussseite verkaufen wollen.

08:15     Annina trifft schon bald mit der Crew ein. Wir ziehen die Schuhe aus und waten mit dem Material die paar Meter durch das seichte Wasser zum Boot. Auf der Rückfahrt zum Hotel machen wir mit Familie Opi noch einen Shopping-Halt in einem Lackwaren-Shop. Danach muss ich wieder ins Bett und schlafe sofort ein.

11:00     Yvonne und Luzia fahren per Pferdekutsche zum Markt, wo sie sich mit tatkräftiger Unterstützung von Regine dem Textileinkauf hingeben. Der Schreibende hütet zur gleichen Zeit zusammen mit seinem Fieber immer noch das Bett, was zur grossen Enttäuschung der Göttergattin dazu führt, dass ich den abgemachten Treff beim Markt verpasse.

16:00     Ich bin wieder einigermassen hergestellt und kann am Abendprogramm teilnehmen. Dieses beginnt mit einem Gruppenbild, gefolgt von einer Ballonfahrt mit gleichem Startort wie am Vorabend. Bei uns sind Annina, Steve und ein Kameramann im Korb. Nach der Landung gewinnt Steve wohl die Überzeugung, dass eine Landungen mitten in den Bäumen zum Normalprogramm gehören.

Das Nachtessen fällt heute etwas früher und etwas kürzer aus, damit ich mit einer vorgezogenen Nachtruhe das Schlafmanko weiter aufholen kann.

 

 
Donnerstag, 9.2.2012

WTV-2012-0102506:15     Die Einfahrt ins Sportstadion ist heute etwas hürdenreicher als sonst. Die Gross-Ballone sind nicht da, weil sie vom Golfplatz aus starten. Deshalb ist das Stadiontor noch abgeschlossen und unsere Crew muss zuerst den Schlüssel organisieren. Dafür haben wir den ganzen Platz für uns zur Verfügung, fast schon luxuriös! Urs macht heute Morgen bereits seine 4. Schulfahrt. Er kommt mit 8 Zwischenlandungen ab und zu ins Schwitzen und beim Touchieren eines Kaktusbaums auch ins schiefe Heizen. Resultat: etwas verbrutzeltes Nomex und die Erkenntnis, dass der Blick zum Brenner zwischendurch nicht schaden kann. Aber auch so ist diese letzte Fahrt über Bagan noch einmal Spitze und wir geniessen das Aufbrauchen des Propans in vollen Zügen. Nach der Landung zeigt uns Paul noch einen der ersten Tehryavada-Tempel im Gebiet von Bagan.

12:15     Nach dem 2. Frühstück leihen wir uns zwei quietschende und klappernde Velos aus und machen eine gemütliche Fahrradtour von Pagode zu Pagode. Da die Übung ziemlich schweisstreibend ist, schalten wir zwischendurch auch mal eine Trink- und Snackpause ein. Zu unserer Erheiterung versuchen sich zwei Jüngst-Hähne in einem vorpubertären Kampf, der allerdings noch ziemlich unbeholfen aussieht.

16:00     Zuletzt machen wir noch einen Abstecher zum Markt, wo wir diverse andere Gruppenmitglieder treffen. Für einmal ohne Kaufrausch (ausser einer Sammlung Tischsets) schlendern wir durch den weitläufigen Markt, der auch während den Aufräumarbeiten noch sehr lebendig und interessant ist.

18:00     Nach einem Feierabendbier im Harmony stürzen wir uns in unsere Longyis und geniessen danach den schönen und gemütlichen Abschlussabend im Garten unseres Hotels. Zuletzt stehen wir alle Spalier für die mit den LKW’s abfahrende Crew und lassen danach den Abend bei einem letzten Bier ausklingen.

 

 
Freitag, 10.2.2012

WTV-2012-0109206:45     Nach einem letzten Frühstück im Garten nehmen wir die kurze Strecke zum Flugplatz unter die Räder, checken mit kleinem Gepäck ein und sind kurz danach bereits unterwegs Richtung Yangon. In Mandalay gibt’s ohne Aufpreis noch eine kurze Zwischenlandung.

09:15     In Yangon werden wir von einem Transferbegleiter abgeholt, der im Laufe der kurzen Busfahrt einige erstaunlich freimütige politische Kommentare abgibt. Noch vor kurzer Zeit hätte er sich wahrscheinlich nicht einmal in der geschützten Busumgebung dazu getraut. Da die Schlüssel für unsere Zimmer noch nicht verfügbar sind, chartern wir bald nach der Ankunft ein Taxi und fahren zum Scott’s Market. Mit 2 Paar Flip-Flops ist das Shopping-Ergebnis äusserst mager, dafür nehmen wir umso mehr Eindrücke mit. Mit Sabine und Bossi essen wir danach zusammen mit einem ihrer Bekannten von früheren Reisen im Monsoon.

15:30     Bossi und ich fahren zurück zum Hotel und anschliessend mit diversen anderen zum Büro von Golden Express, wo die Ballone und die Souvenirs unter Ausnutzung der letzten Kubikzentimeter fluggerecht verpackt werden. Für das lokale Flavour sorgen der stinkende Abwasserabfluss nebenan und die dazu gehörenden Ratten.

In der Zwischenzeit kaufen die Damen bergeweise Sonnenschirme ein. Daraus kann geschlossen werden, dass uns ein guter Sommer bevorsteht.

19:00     Der Bus ist in der Zwischenzeit kaputt gegangen, sodass wir den kurzen Weg zum thailändischen Restaurant zu Fuss gehen. Bald danach geniessen wir ein zweites Farewell-Dinner im stimmungsvollen Garten. Auch der lokale Wein schmeckt erstaunlich gut. Nach genügend Tranksame ist dann der Heimweg für Einzelne nicht mehr vollkommen gradlinig, dafür umso lustiger.

 

 
Samstag, 11.2.2012

WTV-2012-0109605:15     Zusammen mit Armin geht’s per Taxi zur Shwedagon-Pagode. Mit dem Lift fahren wir zur Hauptplattform und merken uns minutiös, wo wir den Aufzug verlassen haben. Dann schlendern wir langsam im Uhrzeigersinn um die Stupa und lassen uns von der geschäftigen und doch ruhigen Atmosphäre fesseln. Es ist noch dunkel und trotzdem ist die Pagode bereits stark belebt, Touristen gibt es allerdings ausser uns keine (die schlafen wohl noch den Rausch vom Vorabend aus).

Die meisten Mönche gehen im Gegensatz zu den Normalsterblichen im Gegenuhrzeigersinn um die Stupa, was für den Erfolg ihrer morgendlichen Bettelaktion von wesentlichem Vorteil ist. Selbst ich lasse ich mich erweichen, als mich ein älterer Mönch bereits zum 5. Mal freundlich anlächelt. Bald nachdem die ersten Sonnenstrahlen die Goldpracht der Pagode zum Leuchten gebracht haben, fahren wir wieder zurück zum Hotel. Der Fahrer handelt noch etwas Zusatzgeld heraus, denn er macht geltend, dass er ganze 40 Minuten länger als abgemacht auf uns warten musste.

07:30     Luzia und Urs sind gerade aufbruchbereit, um mit Pon-Cho zum Bahnhof zu fahren. Ein bisschen beneiden wir die beiden um die zusätzlichen 2 Wochen Burma-Ferien im Süden schon. Auf der Terrasse geniessen wir das Frühstück und verabschieden uns von der deutschen Fraktion, die schon bald über China zurückfliegen werden. Kurz darauf unternehmen wir noch eine letzte Tour de Yangon. Zunächst besuchen wir eine riesige Ausstellung von Skulpturen aus Holz, das während dem Wirbelsturm Nargis angeschwemmt wurde. Alles ist kunst-, weniges geschmackvoll. Danach stürzen wir uns ins Gewimmel des indischen Quartiers rund um die 30. Strasse in der Nähe der Sule Pagode. Lärm, Menschendichte und Gerüche sind tatsächlich sehr indisch. Schliesslich halten wir noch beim komplett umgebauten Strand-Hotel für einen Nostalgie-Besuch. Nach 27 Jahren ist es kaum wieder zu erkennen. Wir finden auch den alten Aufzug mit den Scherengittertüren wieder, um dessen Funktionieren wir uns damals im Dunkeln gesorgt hatten. Wir erstehen den sitzenden Buddha, den Yvonne am Vortag auf der Lady-Shopping-Tour gefunden hat und essen nachher noch einen kleinen Snack zu einem grossen Preis im Coffee Shop.

14:15     Wir verabschieden uns von Regine und Peter und fahren in der auf die Hälfte zusammengeschrumpften Truppe per Bus zum Flughafen. Der Flug nach Singapur verläuft ereignislos und so treffen wir pünktlich ein. Nun heisst es auch für uns Abschied nehmen. Der Rest der Gruppe reist direkt weiter nach Zürich, während wir noch einen Tag hier bleiben.

22:00     Das Einchecken im Marina Bay Sands Hotel gestaltet sich mühsam: zunächst ist unsere Zimmerkategorie bereits ausgebucht, dann stellt sich die Suite, die man uns als Ersatz gibt, als noch nicht aufgeräumtes Sitzungszimmer heraus und beim nächsten Anlauf funktionieren die Zimmerschlüssel nicht. Nach einer guten Stunde haben wir es dann aber geschafft und sind mit Gepäck in einem funktionieren Zimmer untergebracht.

23:00     Wir unternehmen noch einen kleinen Bummel rund um die Bay an den Boat Quay, wo wir gegen Mitternacht ein sehr gutes indisches Essen hineinfuttern. Um 01:30 Uhr sind wir dann schliesslich im Körbchen.

 

 
Sonntag, 12.2.2012

10:10     Nach spätem Start geniessen wir das üppige Frühstücksbuffet in unserem Riesenhotel. Später fahren wir per MRT nach Little India, wobei Yvonne zwischendurch (ohne Billett, Geld und Handy) beinahe verloren gegangen wäre, weil sie meiner Blitzreaktion zum Verlassen des falschen Zuges nicht folgen konnte. Little India ist immer noch ein faszinierendes Chaos inmitten dieser sauberen geordneten Stadt.

Zunächst erstehen wir ein paar hinduistische Blumengirlanden für unseren Ganesha und stechen dann zügig in den Sim Lin Tower. Flugfunkgeräte gibt es hier keine, dafür einen Ersatzakku und ein neues Ladegerät für unsere Fotoapparate. Funkgeräte gibt es auf Anraten eines freundlichen Verkäufers in im gegenüberliegenden Sim Lin Plaza. Soweit kommen wir allerdings nicht, denn wir bleiben kurz nach dem Eingang bei einem Fotoverkäufer hängen, der uns mit diversen Artikeln (Televorsatz, lichtstarkes Objektiv, UV-Filter usw.) eindeckt. Danach sind wir gesättigt und verzichten auf weitere Einkaufsabenteuer.

15:45     Per Taxi fahren wir zurück ins Hotel, wo wir trotz drohendem Gewitter die Aussicht aus dem Swimmingpool im 57. Stock (= Dach) geniessen.

18:30     Nach längerem Warten auf den Koffermann checken wir (wieder langatmig) aus, worauf ich mich auf Rückfrage hin wenig positiv über das Servicetempo in diesem Etablissement äussere. Dies wiederum führt dazu, dass man uns die Drinks vom Swimmingpool nachträglich offeriert, sodass auch ich wieder zufrieden bin. Danach machen wir einen kleinen Taxihüpfer zum Raffles Hotel. Der Rest des Abends ist zwar Standard (Long Bar, anschliessend Indo Chine), aber der Ausklang unserer Reise ist auf diese Art und Weise äusserst angenehm und stimmungsvoll. Wir ziehen den Valentinstag etwas vor und beschenken uns gegenseitig mit den am Nachmittag erstandenen Fotoartikeln.

22:45     Per Taxi geht’s zum Flughafen, wo wir nach dem Tax Refund die Zeit bis zum Boarding in der Lounge um die Ohren schlagen.

 

 
Montag, 13.2.2012

08:00     Bei der Ankunft in Zürich ist es bitterkalt (-15°C) und wir sind nicht unglücklich, dass wir die zu Ende gehende europäische Kälteperiode in wärmeren Gefilden verbracht haben.