Brasilien 2026

Samstag, 6.6.26 / Sonntag, 7.6.26: Zürich – São Paolo – Cuiabá

Am frühen Morgen sind wir von Zürich herkommend in São Paulo gelandet, wo wir den Flieger für die Weiterreise nach Cuiabá wechseln. Während gut 2 Flugstunden geht es dann Richtung Nordwesten. Kurz nach 10 Uhr kommen wir in Cuiabá, der Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso an. Sie dient uns als Ausgangspunkt für unsere Weiterreise nach Süden, zunächst per Auto bis Porto Jofre. Von dort aus werden wir auf einem kleinen Schiff das Pantanal erkunden. Ob wir da wohl einen Jaguar sehen werden? Weiter geht es danach über Brasilia und Salvador de Bahia nach São Luis. Zum Abschluss fahren wir dann der nördlichen Küste entlang bis nach Fortaleza, von wo aus wir in ca. 3 Wochen die Heimreise antreten.

Nach dem Mittagessen im Hotel unternehmen wir eine kleine Rundfahrt, verbunden mit dem Plündern eines Bancomaten. Die Stadt hat etwa 600’000 Einwohner, diese suchen wir an diesem Sonntagnachmittag aber ziemlich vergeblich. Strassen, Plätze und Einkaufszentren sind mehr oder weniger menschenleer. Uns wundert es wenig, denn der Ort strahlt einen subtilen Charme von Profilblech, Betonwänden (wenigstens teilweise bemalt) und geschlossenen Metallrolladen aus. Das für die Fussball-WM von 2014 geplante aber nie erstellte Schnellbahntrassee wird in der nächsten Zeit vielleicht für eine Busspur genutzt, denn die Bahnwagen sind in der Zwischenzeit verrostet. So sind wir nicht besonders traurig, dass der lange Tag zu Ende geht und wir morgen früh hoffentlich gut ausgeruht den langen Weg Richtung Süden unter die Räder nehmen können.

Montag, 8.6.2026: Cuiabá – Porto Jofre

 

Als wir um 08:30 aufbrechen, sind die Strassen in Cuiabá deutlich belebter als am Sonntag. Auf einer ziemlich neuen, asphaltierten Strasse kommen wir zügig voran. Die Gegend ist flach, hin und wieder kommen wir an einer Herde schneeweisser Rinder vorbei. Der erste Tukan mit einem knallgelben Schnabel fliegt über die Strasse, bald gefolgt von einem Paar Pfeifreiher. Nach etwa 2 Stunden kommen wir nach Poconé, wo in den Nebenstrassen immer noch Befestigungsringe am Boden zu finden sind, an die früher die zum Verkauf stehenden Sklaven angekettet waren.

Viehzucht, Gold und seit gut 30 Jahren auch Tourismus sind die Hauptwirtschaftszweige rund um Poconé. Immer wieder sehen wir Hügel, die beim Goldabbau aufgeschüttet werden. Dieser erfolgt durch etwa 200 konzessionierte Schürffirmen und unzählige illegale Unternehmen. Letztere sind auch hier ein grosses Problem, da sie das bei der Goldgewinnung verwendete Quecksilber unkontrolliert in den Boden entsorgen.

Kurz nach Poconé beginnt die Transpantaneira, eine staubige Piste quer durch das Land. Schon bald wechselt die Farbe der Termitenhügel von braun auf grau, gleichzeitig werden sie höher und spitzer. Das ist das untrügliche Zeichen, dass wir nun im während der Regenzeit überfluteten Gebiet angekommen sind. Überleben können die Tiere hier nur, wenn sie über dem Wasserpegel leben oder gute Schwimmer sind.

Stundenlang holpern wir über die Transpantaneira, ab und zu unterbrechen wir für einen Boxen- oder Fotostopp. Verkehr hat es auf dieser Piste eigentlich nicht. Die Fahrer winken sich beim Kreuzen freundlich zu, vermutlich kennt hier jeder jeden. Kurz vor 16:00 kommen wir nach Porto Jofre, das eigentlich nur eine Ansammlung von Fischerhütten ist. Wir gehen an Bord unseres Schiffs, das für die nächste Woche unser Hotel sein wird. Noch rund 2 Stunden fahren wir gemütlich den Cuiabá-Fluss hinauf, bis wir nach Sonnenuntergang für die Nacht an Anker gehen.

Dienstag, 9.6.26: Wir haben ihn!

 

Pünktlich zum Frühstück schwimmt ein Geier den Rio Cuiabá hinunter, ein aufgeblähter Kadaver eines Kaimans dient ihm als Floss. Er schlägt sich den Bauch mit Kaimanfleisch voll und erfüllt damit seine Rolle als Gesundheitspolizist. Das regt auch bei uns den Appetit an und so brechen wir gut genährt zu unserer morgendlichen Pirschfahrt auf. Jaguarsuche steht auf dem Programm. Um denselbigen resp. dieselbige zu finden, sind ein paar Voraussetzungen hilfreich: ein guter Guide, etwas Glück, ein gutes Funkgerät und ein Bootsfahrer, der wie eine gesengte Sau an den richtigen Ort donnert. Wir haben alles und so sind wir schon bald beim ersten Jaguar. Faul liegt er im Schilfgras, halb verdeckt vom Grün im Vordergrund und gut beschattet. Ausserdem zeigt er uns nur sein Hinterteil, aber immerhin. Das Ganze hat also noch Verbesserungspotenzial. Gemütlich gleiten wir den Seitenarm unseres Rio hinauf, mitten in einem grünen Paradies aus Gräsern, Sträuchern und Bäumen. Wir erspähen unzählige Vögel, was manchmal einfach ist (wenn gross und weiss vor grünem Hintergrund), manchmal auch tricky (wenn klein und braun vor braunem Hintergrund, möglichst noch im Gegenlicht).

Plötzlich dreht der Aussenbordmotor wieder auf Formel 1-Touren: ein weiteres Jaguarweibchen ist gesichtet worden. Am Ziel angekommen, sehen wir einen grossen Baum mit dickem Stamm und sonst gar nichts von Bedeutung. Wir gedulden uns tüchtig, bis unsere Heldin allmählich aus ihrer Deckung herausschleicht. Sie schaut uns eher desinteressiert an, setzt sich dann aber absolut fotogen vor den Baum. Da die Jaguare hier hauptsächlich Kaimane, Capybaras (Wasserschweine) und ähnliches jagen, bewegen sie sich angepasst an das Verhalten ihrer Beutetiere eher am Tag als nachts. Und jetzt ist eben langsam Zeit, an die Arbeit zu gehen. Im Sumpf bewegt sich das Jaguarweibchen lautlos durch das dichte Gras, meist sieht man nur durch die schwankenden Halme, wo es sich gerade befindet. Die Hoffnung auf einen Schwimmausflug durch den Flussarm erfüllt sich leider nicht, aber wir sind mit unserer Erfahrung mehr als happy.

Wir fahren noch länger den Wasserarm hinauf, bis es dann Zeit wird, zu unserem Schiff für Mittagessen und Siesta zurückzukehren. Der Nachmittag beginnt eher flau, ein bisschen den Fluss rauf und wieder runter, erfolglos auf der Suche nach Ottern. Dann kommt aber plötzlich wieder Bewegung in den Club. Wir entdecken zwei Jaguare, die sich zunächst im Dickicht verstecken und sich dann plötzlich doch hervorwagen. Absolut spektakulär, wie sich die beiden jungen Männchen im Abendlicht necken. Das ist nun wirklich nicht mehr zu toppen und so fahren wir zum Schiff zurück, wo wir den Tag mit ein oder zwei Caipirinhas feiern.

Mittwoch, 10.6.26: Südwärts auf dem Rio Cuiabá

 

Duschen ist heute Morgen eine Herausforderung. Erstaunlicherweise hat es mehr als genug heisses Wasser, dafür setzt die Zufuhr von Kaltwasser im Rhythmus von 15 Sekunden regelmässig aus. Wenn man nicht aufpasst, kommt man buchstäblich abgebrüht aus der Dusche. Eine weitere Herausforderung ist heute das Licht: der Himmel ist bewölkt, die Kontraste sind damit mager und alles fühlt sich an wie Gegenlicht in alle Richtungen. Dem Naturerlebnis tut das aber keinen Abbruch, ausser dass man zuvorderst auf dem Boot wegen des leichten Wellengangs immer mal wieder etwas nassgespritzt wird.

Heute früh sind ein Capybara, eine Otterfamilie, Brüll- und Kapuzineraffen und zum Abschluss nochmals ein Jaguar auf dem Programm. Das Capybara überzeugt durch eine Engelsgeduld, selbst wenn die Touris nur noch einige Meter von ihm entfernt sind. Und die Otter streiten sich laut um jeden Fisch, selbst wenn die Regeln klar sind: gejagt wird gemeinsam, aber jeder frisst den Fisch, den er selbst gefangen hat.

Während des Mittagessens fahren wir Richtung Süden und unternehmen dann bei ein paar Tropfen Regen einen weiteren Ausflug auf einem Seitenarm des Rio Cuiabá. Nur wenige Stunden südlich von Porto Jofre sind wir bereits mutterseelenallein. Wir geniessen die Ruhe und auch der Regen verzieht sich wieder, bevor er richtig eingesetzt hat. Unzählige Vögel flattern um uns herum und im Wasser lauern die Kaimane auf Beute. Schätzungen zufolge sollen 16 Millionen dieser Echsen im Pantanal leben. Für sie beginnt bei der einbrechenden Dunkelheit die Jagdphase, für uns ist es Zeit für den Apéro im Hotelschiff.

Donnerstag, 11.6.26: Richtung bolivianische Grenze

 

Ein wunderschöner Morgen erwartet uns. Ruhig fliesst der Rio Cuiabá an uns vorbei und der Sonnenaufgang bringt zusätzlich Stimmung in den Laden. Wir besteigen wieder unser Boot und gleiten langsam den Fluss hinab, während etwas später auch unser grosses Schiff nachfolgt. Satte Grüntöne bilden eine eindrückliche Kulisse, die Tiere machen sich aber eher rar. Meistens sind die aufgespürten Vögel klein, graubraun und im Gegenlicht, was höchstens die Birdwatcher erquickt. Immerhin sehen wir wieder eine Familie Brüllaffen, eine Kolonie Kormorane, einen Baum voll mit Reihern und einen Leguan, der sich zuoberst auf einem Baum in der Morgensonne aufwärmt. Selbstverständlich gibt es überall Kaimane.

Für das Mittagessen docken wir wieder an unser Schiff an, das etwas später in der Nähe eines winzigen Armeepostens vor Anker geht. Dort schauen zwei Leguane keck in unsere Teller und tun sich selber an den in Hülle und Fülle vorhandenen zarten Blättern gütlich. Auf der Nachmittagstour geht es zunächst den Hauptfluss hinunter (der Rio Cuiabá ist in der Zwischenzeit in den Rio Paraguay gemündet). Überall treiben Boote im Wasser, in denen Sportfischer versuchen, den einen oder anderen Fisch zu fangen, um ihn nachher gleich wieder ins Wasser zu werfen. Man muss ja nicht alles verstehen. Die Köder für diese Fischerei werden durch Einheimische in Reusen gefangen und für ca. 40 Rappen verkauft. Wir verlassen den Rio Paraguay und fahren in einen Seitenarm hinein. Die Atmosphäre im späten Nachmittagslicht ist traumhaft, Tiere sind aber Mangelware, ausser die kleinen, graubraunen … (man erinnert sich). Bei der Rückkehr zu unserem Schiff wartet ein schöner, kühler Caipirinha auf uns, sodass es auch heute Abend nichts zu klagen gibt.

Freitag, 12.6.26: Serra Amolar

 

 

In der Nacht hat es kurz und ziemlich heftig geschüttet und der Tag erwartet uns mit einem dunklen Wolkendeckel. Die Crew ist damit beschäftigt, das Deck wieder zu trocknen. Auf nassen Sitzen im Boot starten wir etwas früher als an den Vortagen zu unser morgendlichen Bootstour, das Licht und die Aktivitäten in der Natur sind frühmorgens einfach vorteilhaft. Die Tierwelt beschränkt sich auf eine volle Palette an Vögeln, letzteres ist bei einem Pärchen Blatthühnchen auch als Verb zu lesen. Wir geniessen die friedliche Natur in alle Grünfacetten, die Arbeit wird ja durch den Bootsführer erledigt. Auf dem weiteren Weg Richtung Süden passieren wir die Ausläuferkette der nahen bolivianischen Berge, eine interessante Ergänzung zum flachen, grünen Sumpfgebiet des Pantanal.

Nach einer ausführlichen Siesta geht es um 15:00 weiter mit dem Nachmittagsausflug. Wir tuckern in einen Seitenarm in Richtung Laguna Mandioré, die die Grenze zu Bolivien bildet. Anfangs ist die Übung eher flau, dann spotten wir aber ein paar Tukane, die sich bei immer besser werdendem Licht stolz präsentieren. Ein kleine Brüllaffen-Familie haut sich den Bauch voll und ein paar Kuckucke spielen Verstecken mit dem Fotografen. Auf der Rückfahrt zu unserem Schiff wird als Zugabe noch ein schöner Sonnenuntergang geboten, sozusagen als Auftakt für den Sundowner an Deck.

Samstag, 13.6.26: Weiter südwärts nach Corumbá

 

Ein Sonnenaufgang aus der Tiefe der Kitschkiste erwartet uns heute: eine hyper-spektakuläre Collage in allen Rot- und Gelb-Tönen. Nach dem Frühstück kurven wir in einen Seitenarm des Rio Paraguay hinein, wo wir das erste Mal seit einiger Zeit nennenswerte Siedlungen sehen. An deren Rand werden vor allem Zuckerrohr und Maniok angebaut. Das Fischen ist (ausser für den Eigenbedarf und zu sportlichen Zwecken) während fünf Jahren verboten, aktuell läuft das zweite Jahr. Die Einheimischen werden durch den Staat entschädigt, damit sie sich auch an das Moratorium halten. Der eine oder andere wird aber wohl schon mal eine Fünf gerade sein lassen.

Unter der spiegelglatten Oberfläche ist das Wasser glasklar. Viel weiter oben fliesst dieser Seitenzufluss des Rio Paraguay durch einen grossen Wald, wo das Wasser bis zur Perfektion gefiltert wird. Fische sehen wir keine, das ist dann vielleicht in ein paar Jahren anders, wenn das Fangverbot Wirkung zeigt. Zurück auf dem Hauptfluss brettern wir mit mehr als 50 km/h zu unserem nächsten Ziel, einer teilweise privat finanzierten Schule. Die Schulleiterin erklärt uns grosszügig, dass wir alles fotografieren dürfen … ausser die Kinder. Da bleibt dann halt nicht mehr viel, wenn die Nahaufnahme eines Dieselgenerators wenig reizvoll scheint. 67 Kinder werden hier unterrichtet, auch am Samstagmorgen. Allerdings sehen wir von diesem Unterricht im Grunde genommen gar nichts. Nur ein Klassenzimmer ist besetzt, dort schaut die Lehrerin mit ein paar Schülern einen lärmigen Trickfilm. Was es allerdings schwarmweise hat sind Mücken, sodass uns insgesamt der Abschied von diesem Bildungsmekka nicht allzu schwerfällt.

Der Nachmittag ist schnell erzählt: eine ziemlich flaue Bootsfahrt zu einer naheliegenden Lagune, wo ausser einer schönen Landschaft nicht viel zu sehen ist.

Sonntag, 14.6.26: Im Regen nach Bonito

 

 

Wahnsinnig viel gibt es heute nicht zu erzählen. Nachdem wir noch in der Nacht im kleinen Hafen von Corumbá angekommen sind, erwartet uns ein trüber Morgen. Die tiefhängenden Wolken verkünden baldigen Regen und sie behalten recht. Kurz nach der Abfahrt beginnt es zu regnen, sodass unterwegs ausser einer eintönigen, grauen Buschlandschaft nicht viel zu sehen ist. Etwas ausserhalb von Piragutunga wartet eine endlose Reihe von Lastwagen vor einer offensichtlich grossen Eisenerz-Mine. Zwischendurch kommen wir an einer Rinderherde vorbei und immer wieder sehen wir Jabiru-Störche. Die Strasse ist zwar ziemlich holprig, was aber den Fahrer nicht davon abhält, alles aus seiner Kiste herauszuholen. Ayrton Senna wäre stolz auf ihn.

Nach etwa vier (in Worten: vier) Stunden halten wir in Miranda (nicht auf der Kandidatenliste als Unesco Weltkulturgut) mal für einen so genannten Multifunktionsstopp an. Nach einer weiteren Stunde sind wir schliesslich im kleinen Privat-Naturpark Cachoeira da Serra, etwas ausserhalb von Bodoquena. Es soll hier sieben Wasserfälle geben, aber vermutlich auch nicht derart sensationelle, um auf den matschigen Wegen eine Rutschpartie zu wagen. So begnügen wir uns mit der 400m Weicheier-Route, die wir uns aber auch hätten sparen können. Wenigstens hat der Regen zeitgerecht eine Pause eingelegt.

Auf der Weiterfahrt nach Bonito sehen wir auf einer grossen Wiese unverhofft einen grossen Ameisenbären. Vollstopp und Spurt über das ganze Feld unter Leitung von Edilson (der immerhin mal bei den Junioren von Bayern München getschuttet hat). Wir achten immer schön darauf, dass wir auf der Leeseite des Ameisenbären sind. Dieser sieht und hört nämlich fast nichts, dafür ist seine Nase 1a. So haben wir schliesslich doch noch ein Highlight für den heutigen Tag, der Caipirinha ist verdient.

Montag, 15.6.26: Aras

 

Mitten in der Nacht (oder fast) verlassen wir unsere Pousada und fahren ca. eine Stunde nach Süden, bis wir in die Nähe des Rio da Prata kommen. Nach einem Check-In wie für einen Mondflug ziehen wir uns um und werden dann zum Ausgangspunkt unseres heutigen Abenteuers gebracht. Ausgerüstet mit Neopren-Anzug und Schnorchel-Equipment tauchen wir bei der Quelle des Rio Olho d’Agua (Auge des Wassers) ins glasklare Nass. Die Temperatur von etwa 24°C ist angenehm, bei 20°C Aussentemperatur schon fast wie im Whirlpool. Wir lassen uns ganz einfach mit der Strömung treiben und haben Zeit, die Unterwasserwelt in aller Ruhe zu bestaunen. Unzählige Fische, z.T. in schönen Farben, schwimmen um uns herum, die kleinsten knabbern frech an meiner Haut. Zwischendurch vergisst man fast, dass es oberhalb der Wasseroberfläche auch noch eine Welt gibt. Mangels wasserdichter Kamera gibt es leider keine Bilder von diesem zweieinhalbstündigen wässrigen Ausflug.

Nach dem gemütlichen Mittagessen machen wir uns auf den Weg zum Reserva Particular do Patrimonio Natural Buraco das Araras (ist doch ganz einfach). Unterwegs spotten wir nochmals zwei Ameisenbären, von denen der eine sogar ein Baby auf seinem Rücken trägt. Bei der Buraco das Araras handelt sich um eine der grössten Einsturzdolinen Südamerikas. Eine unterirdische Kalksteinhöhle wurde über Jahrtausende durch Wasser ausgehöhlt, bis ihre Decke zu schwer wurde und in sich zusammenstürzte. Dadurch entstand der riesige, offene Krater mit einer Tiefe von rund 100 Metern und einem Umfang von etwa 500 Metern. Der Ort ist weltberühmt für das Spektakel der Dutzenden dort lebenden und nistenden Hellroten Aras. Und weil das so supertoll ist, gibt es heute mal Ara-Fotos im Überfluss.

Dienstag, 16.6.26 / Mittwoch, 17.6.26: Von Bonito nach Brasilia

 

Eigentlich würde das Tagesprogramm aus Besichtigung einer Höhle, einer Flussfahrt, einem Hacienda-Besuch und Schnorcheln bestehen. Damit wir nicht erst mitten in der Nacht in Campo Grande ankommen, wird das Programm aber deutlich gekürzt. Wir besuchen nur die mässig berauschende Höhle Gruta São Miguel und hängen dann – warum auch immer – den halben Vormittag herum, bis es Zeit für das Mittagessen ist. Als wir für die Abfahrt bereit sind, fehlt nur der Bus und ohne diesen geht es halt nicht so gut. Der Fahrer musste noch tanken und Wasser einkaufen, weil er während der dreistündigen Mittagspause dafür keine Zeit hatte. Schliesslich fahren wir dann los, allerdings nur ein paar hundert Meter, denn die Türe schliesst nicht richtig. Für eine kleine Funktionskontrolle war über Mittag auch keine Zeit. Es braucht noch einen Mechaniker des Busunternehmens, bis wir dann tatsächlich auf die Reise gehen. Es ist längst dunkel, als wir in Campo Grande eintreffen. Schade, dass wir nicht mehr aus diesem Tag machen konnten, insgesamt wäre in Bonito sicher sehr viel mehr möglich gewesen.

In Campo Grande schlafen wir für einmal aus und spazieren nach dem späten Frühstück durch den schönen Park der indigenen Völker. Solche sehen wir zwar nicht, dafür eine Grossfamilie Capybaras, die ziemlich behäbig in der Nähe eines kleinen Wasserlaufs herumhängen. Wir besuchen den imposanten Pantanal Biopark, in dem sich das offenbar grösste Süsswasser-Aquarium der Welt befindet. Beim Rundgang durch die Wasserwelt lassen wir nochmals unsere Pantanal-Erlebnisse Revue passieren und finden sogar noch die bislang vermisste Anakonda.

Der Flugplatz in Campo Grande ist ziemlich leer, der Flieger nach Brasilia aber trotzdem voll. Das Boarding ist ein Spektakel der Extraklasse. Es beginnt damit, dass der Flieger von vorne nach hinten gefüllt wird, was natürlich doppelt so lange dauert wie umgekehrt. Dann hat jeder zweite Passagier seinen halben Hausrat dabei, sodass schon bald ein erbitterter Kampf um den Platz in den Gepäckablagefächern ausbricht. Dass das Kabinenpersonal bei dem Geschrei und Gewusel nicht ausrastet, grenzt an ein Wunder. Nicht ganz überraschend überlebt die Frau in der Reihe vor mir den Start, auch wenn sie dabei fast ein Herzchriesi bekommt und von drei Gschpänli beruhigt werden muss. Gegen 20 Uhr kommen wir ohne weitere Sonderereignisse wohlbehalten in Brasilia an und sind nach kurzer Fahrt in unserem Hotel am Lago Paranoa, einem grossen künstlichen See.

Donnerstag, 18.6.26: Brasilia – Salvador de Bahia

 

Brasilia ist schon die dritte Hauptstadt in der brasilianischen Geschichte. Bereits in der Verfassung von 1891 wurde festgeschrieben, dass im Innern von Brasilien eine neue Hauptstadt namens Brasilia zu bauen sei. Mehrere Präsidenten versprachen während ihres Wahlkampfs, diesen Auftrag auszuführen, aber Wahlkampfversprechen sind nicht nur in Brasilien da, um nicht eingehalten zu werden. So dauerte es bis in die zweite Hälfte der 50er Jahre, als Juscelino Kubitschek an die Macht kam und kurz nach Amtsantritt mit dem Bau der Stadt auf der brasilianischen Wasserscheide begann. Der Stadtplaner Lucio Costa erstellte ein streng symmetrisches Konzept, das für alle wesentlichen Funktionen der Stadt klare räumliche Zuordnungen vorsah. Der Grundriss stellt ein Flugzeug dar, in dessen Rumpf sich im Osten die Regierungsgebäude befinden und weiter westlich Kultur- und Unterhaltungsgebiete. Der Nord-Süd-Verkehr wird über ein vierzehnspuriges Strassensystem abgewickelt. In dessen Mitte rollt auf 6 Spuren der Durchgangsverkehr, am Rand auf je 4 Spuren der Zubringerverkehr in die Wohn- und Geschäftsquartiere. Jedes dieser Quartiere hat seine eigenen Schulen, Einkaufsläden, Kirchen usw. Das architektonische Mastermind war Oscar Niemeyer, der sich damit ein gigantisches Denkmal gesetzt hat. Alle seine Bauten stehen auf Säulen, sodass der Blick aus dem Erdgeschoss in die Weite schweifen kann. Rund um seine Wohnbauten wird ein Grüngürtel von 30 Metern eingehalten. Es entstand eine grosse Zahl von extrem eindrücklichen Gebäuden, die auch heute noch ihresgleichen suchen.

Die Kehrseite dieses planerischen Meisterwerks ist, dass diverse Gebäude leer stehen. So wurden z.B. die Bücher für die Zentralbibliothek nie von Rio de Janeiro nach Brasilia gezügelt. Die als ökumenischer Begegnungsort geplante Kathedrale musste kurz vor dem Verfall an die katholische Kirche verkauft werden. Man kann sich generell des Eindrucks nicht erwehren, dass hier über viele Jahre der Unterhalt sträflich vernachlässigt wurde. Ein Schelm wer denkt, dass Korruption etwas damit zu tun hat. Laut unserem Guide ist an allem der aktuelle Präsident Lula da Silva schuld. Nach seiner Meinung hat er – genauso wie Joe Biden in den USA – den Wahlsieg gestohlen. So waren dann die Krawalle und Zerstörungen im Januar 2023 nicht das Werk von chaotischen Rechtsextremisten, sondern von einigen besorgten Bürgern, die spärlich bewaffnet und friedlich ihren Unmut äusserten, bis die Polizei sie provozierte. Na ja!

Mit faszinierenden Eindrücken verlassen wir Brasilia wieder und kommen nach einem 90-minütigen Flug in Salvador de Bahia an.

Freitag, 19.6.26: Cachoeira

 

Dunkle Wolken wechseln sich mit Aufhellungen ab. Auf nassen Strassen quälen wir uns durch den dichten Morgenverkehr, ziemlich genau auf der Trennlinie zwischen den reichen Quartieren an der Meeresküste und den Favelas im Landesinnern. Ab der Nordgrenze der Stadt Salvador kommen wir zügiger voran. Die Landschaft wird schnell ländlich und hügelig. Wir fahren an einer grossen Papierfabrik vorbei, die von Deutschland als indirekte Reparation für die im 2. Weltkrieg bei Kämpfen gegen die Wehrmacht gefallenen Brasilianer errichtet wurde. Nach etwa zweieinhalb Stunden erreichen wir Santo Amaro, wo wir den bunten Markt besuchen. Vor einer Sparkassenfiliale stehen die Leute in einer langen Schlange, um ihre Finanzprobleme mit einem Bankangestellten zu besprechen. Da keine Besprechungstermine vereinbart werden können, stehen viele wohl bis zum Abend. Einige werden vermutlich unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen, um am nächsten Arbeitstag ihr Glück aufs Neue zu versuchen.

Nochmals etwa eine Stunde weiter nordwestlich liegt Cachoeira, wo die Anhänger des selbst ernannten Kaisers Pedro I. gegen die Anhänger des portugiesischen Königs (notabene des Vaters von Pedro I.) die letzte Schlacht um die Unabhängigkeit des Staats Bahia von Portugal gewonnen haben. Wir machen einen kleinen Spaziergang durch das schmucke, allerdings doch etwas heruntergewirtschaftete Städtchen. Auf dem Platz vor dem ehemaligen Gefängnis steht eine imposante Kanone, die aufgrund eines Streits zwischen einem Künstler und dem Stadtpräsidenten aufgestellt wurde. Auf dem Höhepunkt dieser Auseinandersetzung im Stil von Camillo und Peppone liess der Stadtpräsident vor ca. 20 Jahren die Kanone genau auf das Wohnhaus des Künstlers richten, um diesen einzuschüchtern. Geschossen wurde dann aber doch nie.

Das Mittagessen geniessen wir auf einer herrlichen Facenda hoch über dem Tal des Paraguacu-Flusses mit perfekter Panoramasicht auf Cachoeira. Vor der Rückfahrt nach Salvador besichtigen wir noch die Zigarrenproduktion der Firma Leite & Alves. Als Nichtraucher sind wir überrascht, wie aufwändig der Herstellprozess ist und wieviel Erfahrung und Fingerspitzengefühl die Mitarbeitenden brauchen, damit ein gutes Produkt entsteht. Auf dem Heimweg sind wir schliesslich dankbar, dass wir nicht in die andere Richtung fahren müssen. Fast endlos ist der Verkehrsstau, denn alle Bewohner von Salvador scheinen für das bevorstehende São Joao-Fest raus aus der Stadt zu wollen. Vor unserem Hotel ist ebenfalls alles bereit für die grosse Party, die heute wegen des Fussballspiels Brasilien gegen Haiti noch zusätzlich laut ist.

Samstag, 20.6.26: Salvador de Bahia

 

 

Ein gemütlicher Tag erwartet uns. Wir treffen unseren Guide Markus um 9 Uhr und beginnen einen Bummel durch die Altstadt von Salvador. Die Stadt wurde 1549 gegründet und war bis 1763 die erste Hauptstadt Brasiliens. Sie war auch der Hauptimportplatz afrikanischer Sklaven. Insgesamt wurden gegen 7 Millionen Schwarzafrikaner nach Brasilien verschleppt, von den aber nur ca. 5 Millionen die grausamen Überfahrten auf den Sklavenschiffen überlebten. Noch heute ist Salvador das kulturelle Herz der Afro-Brasilianer. Fast 200 Jahre lang war der Zuckerrohrhandel die wirtschaftliche Lebensader der Region. Mit dem beginnenden Goldrausch im Süden Brasiliens verlor Salvador Mitte des 18. Jahrhunderts an Bedeutung und wurde durch Rio de Janeiro als Hauptstadt abgelöst. Seit 1985 ist das historische Zentrum, der Pelourinho, UNESCO-Weltkulturerbe. Die grösste Anzahl barocker Kolonialbauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert in Lateinamerika und die teils steilen Pflasterstrassen, die von bunt bemalten Häusern gesäumt sind, prägen das Bild des Viertels.

Mit einer Standseilbahn fahren wir zum Hafenviertel in der Unterstadt hinunter, mit dem historischen Aufzug Elevador Lacerda kommen wir wieder zurück zur auf felsigem Untergrund erbauten Oberstadt. Dort stand bis 1933 eine 400 Jahre alte, riesige Kathedrale, die für die Errichtung einer Wendeschleife der städtischen Strassenbahn abgerissen wurde. Die Bewilligung für diese Schandtat wurde durch den Papst erteilt, weil ihm der Erzbischof von Salvador Bilder einer anderen, völlig baufälligen Kirche gesandt hatte. Die Ironie dieser traurigen Episode ist, dass der Betrieb der Strassenbahn nur 20 Jahre später eingestellt wurde!

Heute herrscht absoluter Hochbetrieb in der Altstadt! Das Fest São João, an dem gleichzeitig Sommersonnenwende und Erntedank gefeiert werden, dominiert die Gassen und Plätze. An jeder Ecke wird musiziert und getanzt, an Hunderten von Strassenständen werden lokale Leckereien angeboten. Wir geniessen die fröhliche, ausgelassene Stimmung und lassen uns mit den Menschenmassen durch die Gassen treiben.

Sonntag, 21.6.26: Salvador – São Luis

In der Nacht war auf dem Platz vor dem Hotel ein Riesenkrach, der (gemäss gewöhnlich gut unterrichteten Quellen) um Punkt 2 Uhr aufhörte. Heute Morgen sind die Gassen fast menschenleer. Nicht nur die Leute, sondern auch die Wolken sind weg, sodass wir bei stahlblauem Himmel nochmals eine kleine Runde in der Altstadt drehen und so Abschied nehmen von der bunten und fröhlichen Stadt.

Ein Flug von etwa zwei Stunden bringt uns zu unserer nächsten Station São Luis. Die Fahrt in die Nähe unserer Unterkunft in der Altstadt ist kurz, der Kampf mit den Koffern über das Kopfsteinpflaster bis zur Pension aber anspruchsvoll. Es herrscht auch hier Ramba Zamba, nur noch dichter und noch lauter als in Salvador, auch wenn das schwer vorstellbar ist. Hier dreht sich alles um das traditionelle Bumba-meu-Boi-Fest. Die Musik besteht eigentlich nur aus ohrenbetäubendem Bass und treibendem Rhythmus, die Melodien dazu suchen wir noch. Mal schauen, wie die Nacht wird, denn das Epizentrum des Spektakels liegt direkt unter unseren Fenstern!

Montag, 22.6.26: São Luis

Die Nacht war kaum erträglich. Als die Band auf dem Platz vor unserem Fenster endlich zu spielen aufhörte, wummerten noch stundenlang die Bässe aus der Cachaceria des Hotels direkt unter unserem Zimmer. Nur die Mäuse, die sich an unseren Cashew-Nüssen gütlich taten, hat dies offensichtlich nicht gestört. Positiv: es hat Wasser in der Dusche und beim Lavabo. Bei letzterem kommt dieses allerdings auch aus dem Verputz, weil wohl die dahinterliegende Leitung ein Loch hat. So entsteht mit der Zeit ein veritabler See rund um das Lavabo. Extrem heikel sind wir schon nicht, aber was zu viel ist, ist zu viel. Der Guide organisiert uns ein neues Hotel (zumindest sagt er das). Als wir dort aber am frühen Nachmittag eintreffen, weiss kein Mensch von einer Reservation. Der Guide, die Agentur in São Luis sowie dieselbe in Rio sind natürlich nicht erreichbar und das Reisebüro in der Schweiz hat zu dieser Zeit Feierabend. So sind wir ziemlich auf uns allein gestellt, nur eine nette Hotel-Rezeptionistin gibt alles. Schliesslich finden wir weit ausserhalb doch noch eine vernünftige Unterkunft.

Noch vorher machen wir einen ausgedehnten Rundgang durch die Altstadt von São Luis, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. São Luis steht in einem extremen Spannungsfeld zwischen kolonialer Pracht, akuter Baufälligkeit und allgegenwärtigen Baugerüsten. Im Erdgeschoss faszinieren die weltweit einzigartigen, farbenfrohen Kachelfassaden (Azulejos), weiter oben sind viele der historischen Gebäude von Notgerüsten gestützt oder von tropischen Pflanzen überwuchert, die das Mauerwerk langsam sprengen. Fast alle Kirchen, Museen und andere Sehenswürdigkeiten sind geschlossen. Von der Terrasse vor dem Gouverneurspalast hat man einen herrlichen Blick über die Bucht von São Luis. Hier erfolgte Anfang des 17. Jahrhundert die Stadtgründung durch die Franzosen, die allerdings nach 3 Jahren bereits wieder von den Portugiesen erobert wurde. Dann gab es von 1641 – 1644 noch eine kurze holländische Phase. Die eigentliche Blüteperiode erlebte São Luis im 18. und 19. Jahrhundert während des Baumwollbooms. Heute steht die Stadt zwar noch nicht auf der roten Liste der UNESCO, der Zustand wird aber als «extrem anfällig für Vernachlässigung und Zerfall» beschrieben. Ein Entzug des Titels scheint ohne schnelle Sanierungsmassnahmen realistisch. So verlassen wir die Altstadt ziemlich ernüchtert, weiterempfehlen können wir den Besuch leider nicht.

Dienstag, 23.6.26: Lençóis Maranhenses

Fahrer müssen nicht pünktlich sein, nur die Gäste. So gedulden wir uns halt morgens um 7 Uhr eine halbe Stunde lang, bis wir abfahren können (30 Minuten sind um diese Tageszeit besonders kostbar). Mindestens hat der Fahrer schon den Grundkurs besucht, er kennt nämlich bereits 2 Aktionen: Vollgas und Vollbremsung. Das macht die 4.5-stündige Fahrt nach Barreirinhas zum einem veritablen Sondervergnügen.

Nachmittags besuchen wir die Lençóis Maranhenses nach einer rumpligen Fahrt über lange Sandpisten durch die grüne Buschlandschaft. Endlose, weisse Sanddünen erstrecken sich bis zum Horizont und formen eine wellenförmige Wüste, die durch ein faszinierendes Phänomen zum Leben erwacht. Zwischen den riesigen, durch den Wind ständig neu geformten Sandbergen sammeln sich während der Regenzeit unzählige, glasklare Lagunen, die in intensiven Türkis- und Blautönen leuchten. Der feine Sand fühlt sich angenehm kühl unter den Füssen an. Die etwa zweistündige Wanderung durch diese Traumwelt ist ein unvergessliches Erlebnis. Die Dünen erstrecken sich über ca. 100 Kilometer entlang des Atlantischen Ozeans und reichen bis 50 Kilometer weit ins Hinterland. Mit unserem Guide verstehen wir uns bestens, auch wenn das Ganze sprachlich etwas limitiert ist. Wir sprechen nämlich genauso wenig Portugiesisch wie er irgendeine andere Sprache.

Mittwoch, 24.6.26: Barreirinhas – Parnaíba

 

Ein kurzer, sintflutartiger Regen weckt uns heute. Der Spuk ist aber bereits nach einer halben Stunde vorbei. Als wir uns um 8 Uhr auf die Socken machen, lacht der Himmel bereits wieder. Vom nahen Bootspier aus brechen wir auf dem Rio Preguiças nach Nordwesten auf und floaten gemütlich durch die grüne Pracht des Mangrovenwalds. Bei Vassouras machen wir einen halbstündigen Halt, erklimmen eine weitere Sanddüne und machen eine kurze Runde um eine der vielen Lagunen in der Sandlandschaft. Wenig später erklimmen wir in Mandacaru über schweisstreibende 160 Stufen einen mehr als hundert Jahre alten Leuchtturm. Von dessen Spitze aus eröffnet sich ein wunderbarer Rundblick über die üppige Buschlandschaft und das nahe Delta unseres Rios. Im nahen Caburé ist unsere Bootsfahrt zu Ende, hier werden wir von unserem neuen Fahrer erwartet. Auf dem Sandstrand fahren wir kilometerweit mit seinem 4x4 einer endlosen Reihe von Windrädern entlang.

Nach einer Weile kommen wir wieder auf eine asphaltierte Strasse, auf der es dann nach der obligaten Druckerhöhung der Fahrzeugreifen zügig Richtung unseres nächsten Ziels geht. Bei einem idyllischen Restaurant an einem kleinen Fluss machen wir eine kurze Mittagspause. Das Besteigen der Sanddünen und des Leuchtturms haben hungrig gemacht. Nach einer weiteren Stunde erreichen wir in Parnaíba unser heutiges Tagesziel. Viel Zeit wird uns in unserem neuen Hotel nicht gegönnt. Etwa eine halbe Stunde nordwestlich wartet nämlich in Porto dos Tatus das nächste Boot auf uns. Zügig fahren wir durch ein verwirrendes Netz aus Flüssen und kleinen, natürlichen Kanälen zum Delta des Rio Santa Rosa, dem drittgrössten Meeresdelta der Welt. Wieder besteht das Flussufer fast ausschliesslich aus Mangrovenbäumen. Nach einem kleinen Abstecher zu einer weiteren Sanddüne wartet der Höhepunkt des heutigen Tags auf uns. Auf einer Insel im Flussufer beobachten wir hunderte, wenn nicht tausende rote Ibisse, die sich in den Bäumen und Sträuchern ihren Platz für die Nacht suchen. Da wird geschnattert und gestritten und siebenmal die Position gewechselt. Wenn dann ein guter Ast gefunden ist, macht man doch nochmals eine Runde in der Luft. Das Resultat: Flügel gelüftet, dafür ist der hart erkämpfte Schlafplatz jetzt besetzt. Unser Schlafplatz ist auch nach einem vorzüglichen Nachtessen immer noch frei. Müde sinken wir nach diesem ausgefüllten Tag in die Federn.

Donnerstag, 25.6.26: Delta das Americas

Wieder fahren wir zum gleichen Hafen wie gestern Nachmittag, der gleiche Bootsführer erwartet uns. Er begrüsst uns freundlich, offensichtlich war das gestrige Trinkgeld ok. Langsam geht es durch die Flusslandschaft nach Norden. Gemütlich schlängeln wir uns auf einem kleinen Nebenarm des Rio Parnaiba durch das grüne Dickicht. Ein Kapuzineräffchen turnt durch einen dicht belaubten Baum, beständig auf der Suche nach Futter. Ein paar Kaimane lümmeln im bräunlichen Brackwasser herum und ein Nachtreiher steht hochkonzentriert im Schlamm, darauf hoffend, dass sich vor seinem Schnabel Beute regt. Rote Mangrovenkrabben huschen am Ufer umher, immer auf der Hut, dass sie nicht von einem roten Ibis gefressen werden. Die Federfarbe der roten Ibisse entsteht massgeblich durch die Vertilgung dieser prächtigen Krabben, da diese sehr viel sogenanntes Carotinoid enthalten.

Unser Kapitän Oseiás versucht redlich, uns das eine oder andere zu erklären, bruchstückweise verstehen wir sogar etwas. Ein schöner Spaziergang auf einer Düne braucht nicht viel Erläuterung, ebensowenig die Strandrunde an der Mündung ins Meer. In einer Barraca de Praia machen wir einen Lunchbreak, sorgfältig überwacht von 2 stattlichen Leguanen. Fast wären wir den ganzen Nachmittag geblieben, so gemütlich war es dort. Oseiás will aber natürlich wieder zurück, er ist ja schliesslich nicht zum Vergnügen hier. Den restlichen Nachmittag und den Abend verbringen wir faulenzend in unserem Hotel.

Freitag, 26.6.26: Parnaíba – Jericoacoara

Auf unserer Fahrt nach Jericoacoara … versuch’s mal auszusprechen und wenn’s schwierig ist: einfach Jeri … also auf dieser heutigen Fahrt rösten wir zunächst auf bolzengeraden Strassen bis nach Camocim, wo wir die Hauptstrasse verlassen und uns fragen, wie um Himmels Willen man hier wohl über den Rio Coreaú kommen. Brücken hat es keine und ein Fährhafen ist auch nicht wirklich in Sicht. Dann schwenken wir plötzlich auf den Sandstrand, wo einige Boote für das Übersetzen bereitstehen. Jeweils vier Autos passen auf eine solche Mini-Fähre. Wir sind die letzten und schon geht es los. Nach ein paar interessanten Minuten sind wir bereits auf der anderen Seite, wo eine grandiose Fahrt dem Meeresstrand entlang beginnt. Zwischendurch erklimmen wir eine der gewaltigen Dünen, natürlich hat unser Motorista (= Fahrer) seinen besonderen Spass daran. Von oben bietet sich ein gewaltiger Blick über die Landschaft aus Sand, grün-blauen Lagunen und rauschendem Meer.

Am Lago da Torta machen wir unsere Mittagspause in einem gemütlichen Restaurant mit Kitesurf-Unterhaltung und Hängematten im Wasser. Ein Vergnügen der Extraklasse ist ein super-toller Fisch vom Grill. Dann nehmen wir den Rest der Fahrt unter die Räder. Da wir jetzt wissen, dass an jeder potenziellen Übersetzstelle Fähren aus ein paar zusammengenagelten Brettern warten, stellt sich die Brückenfrage kein zweites Mal. Hier passt noch ein einziges Auto auf den schwimmenden Untersatz, dafür steht ein gutes Dutzend bereit. Angetrieben werden die Dinger mit Longtail-Aussenbordmotoren, sehr pragmatisch und sehr exotisch. Am Ortseingang von Jericoacoara (versuch’s nochmals!) stellen wir uns in die Warteschlange für das Entry-Permit. Der Schaltermann schreibt von Hand beide Pässe ab und das dauert halt ein Weilchen. Kosten tut es nix?! Und dann schlängeln wir uns durch das interessante, enge Gewirr von Sandsträsschen. Im ganzen Dorf gibt es keine einzige asphaltierte Strasse. Unsere Pousada liegt traumhaft schön direkt am Meer. Das war’s denn auch für heute, der Schreiberling hat jetzt (vermutlich) einen Drink verdient.

Samstag, 27.6.26 / Sonntag, 28.6.26: Jericoacoara – Zürich

Viel gibt es nicht mehr zu berichten. Wir schlafen aus und unternehmen dann einen kleinen Spaziergang durch die sandige Ortschaft. Irgendwie ist die Atmosphäre noch lustig, aber auch ziemlich auf Party mit viel Alkohol ausgerichtet. Der Strand ist gut gefüllt mit Sonnenanbetern, jeder Liegestuhl ist besetzt. An der Sonne braten ist sowieso nicht so unser Ding und so ziehen wir uns wieder in unsere gemütliche Pousada zurück. Bald beginnt schon die fast fünfstündige, ereignislose Fahrt zum Flughafen Fortaleza, von wo aus wir die Rückreise nach Zürich antreten.

Wir haben drei wunderbare Wochen in Brasilien genossen und nehmen tolle Erinnerungen mit nach Hause. Das Reisen hier war mit wenigen Ausnahmen problemlos, wir haben viele super-freundliche Leute getroffen und haben unglaubliche Naturerlebnisse gehabt. Jetzt geht es wieder zurück in den Schweizer Alltag, bis zur geplanten Antarktistour im Januar 2027 ist dann vorderhand Reisepause.