Pünktlich zum Frühstück schwimmt ein Geier den Rio Cuiabá hinunter, ein aufgeblähter Kadaver eines Kaimans dient ihm als Floss. Er schlägt sich den Bauch mit Kaimanfleisch voll und erfüllt damit seine Rolle als Gesundheitspolizist. Das regt auch bei uns den Appetit an und so brechen wir gut genährt zu unserer morgendlichen Pirschfahrt auf. Jaguarsuche steht auf dem Programm. Um denselbigen resp. dieselbige zu finden, sind ein paar Voraussetzungen hilfreich: ein guter Guide, etwas Glück, ein gutes Funkgerät und ein Bootsfahrer, der wie eine gesengte Sau an den richtigen Ort donnert. Wir haben alles und so sind wir schon bald beim ersten Jaguar. Faul liegt er im Schilfgras, halb verdeckt vom Grün im Vordergrund und gut beschattet. Ausserdem zeigt er uns nur sein Hinterteil, aber immerhin. Das Ganze hat also noch Verbesserungspotenzial. Gemütlich gleiten wir den Seitenarm unseres Rio hinauf, mitten in einem grünen Paradies aus Gräsern, Sträuchern und Bäumen. Wir erspähen unzählige Vögel, was manchmal einfach ist (wenn gross und weiss vor grünem Hintergrund), manchmal auch tricky (wenn klein und braun vor braunem Hintergrund, möglichst noch im Gegenlicht).
Plötzlich dreht der Aussenbordmotor wieder auf Formel 1-Touren: ein weiteres Jaguarweibchen ist gesichtet worden. Am Ziel angekommen, sehen wir einen grossen Baum mit dickem Stamm und sonst gar nichts von Bedeutung. Wir gedulden uns tüchtig, bis unsere Heldin allmählich aus ihrer Deckung herausschleicht. Sie schaut uns eher desinteressiert an, setzt sich dann aber absolut fotogen vor den Baum. Da die Jaguare hier hauptsächlich Kaimane, Capybaras (Wasserschweine) und ähnliches jagen, bewegen sie sich angepasst an das Verhalten ihrer Beutetiere eher am Tag als nachts. Und jetzt ist eben langsam Zeit, an die Arbeit zu gehen. Im Sumpf bewegt sich das Jaguarweibchen lautlos durch das dichte Gras, meist sieht man nur durch die schwankenden Halme, wo es sich gerade befindet. Die Hoffnung auf einen Schwimmausflug durch den Flussarm erfüllt sich leider nicht, aber wir sind mit unserer Erfahrung mehr als happy.
Wir fahren noch länger den Wasserarm hinauf, bis es dann Zeit wird, zu unserem Schiff für Mittagessen und Siesta zurückzukehren. Der Nachmittag beginnt eher flau, ein bisschen den Fluss rauf und wieder runter, erfolglos auf der Suche nach Ottern. Dann kommt aber plötzlich wieder Bewegung in den Club. Wir entdecken zwei Jaguare, die sich zunächst im Dickicht verstecken und sich dann plötzlich doch hervorwagen. Absolut spektakulär, wie sich die beiden jungen Männchen im Abendlicht necken. Das ist nun wirklich nicht mehr zu toppen und so fahren wir zum Schiff zurück, wo wir den Tag mit ein oder zwei Caipirinhas feiern.


































2 thoughts on “Dienstag, 9.6.26: Wir haben ihn!”
Lieber Walti, liebe Yvonne
Danke für den spannenden Reisebericht und die tollen Bilder.
Weiterhin vielen schöne Eindrücke und Tage.
Herzliche Grüsse aus Sagogn
das sind wirklich ganz wunderbare Bilder, lieber Walter: die Jaguare natürlich sowieso spektakulär, aber auch die wohl-positionierten Vögel und das Kroko-Maul! Weiter so und viel Freude!
Jürg