Brasilia ist schon die dritte Hauptstadt in der brasilianischen Geschichte. Bereits in der Verfassung von 1891 wurde festgeschrieben, dass im Innern von Brasilien eine neue Hauptstadt namens Brasilia zu bauen sei. Mehrere Präsidenten versprachen während ihres Wahlkampfs, diesen Auftrag auszuführen, aber Wahlkampfversprechen sind nicht nur in Brasilien da, um nicht eingehalten zu werden. So dauerte es bis in die zweite Hälfte der 50er Jahre, als Juscelino Kubitschek an die Macht kam und kurz nach Amtsantritt mit dem Bau der Stadt auf der brasilianischen Wasserscheide begann. Der Stadtplaner Lucio Costa erstellte ein streng symmetrisches Konzept, das für alle wesentlichen Funktionen der Stadt klare räumliche Zuordnungen vorsah. Der Grundriss stellt ein Flugzeug dar, in dessen Rumpf sich im Osten die Regierungsgebäude befinden und weiter westlich Kultur- und Unterhaltungsgebiete. Der Nord-Süd-Verkehr wird über ein vierzehnspuriges Strassensystem abgewickelt. In dessen Mitte rollt auf 6 Spuren der Durchgangsverkehr, am Rand auf je 4 Spuren der Zubringerverkehr in die Wohn- und Geschäftsquartiere. Jedes dieser Quartiere hat seine eigenen Schulen, Einkaufsläden, Kirchen usw. Das architektonische Mastermind war Oscar Niemeyer, der sich damit ein gigantisches Denkmal gesetzt hat. Alle seine Bauten stehen auf Säulen, sodass der Blick aus dem Erdgeschoss in die Weite schweifen kann. Rund um seine Wohnbauten wird ein Grüngürtel von 30 Metern eingehalten. Es entstand eine grosse Zahl von extrem eindrücklichen Gebäuden, die auch heute noch ihresgleichen suchen.
Die Kehrseite dieses planerischen Meisterwerks ist, dass diverse Gebäude leer stehen. So wurden z.B. die Bücher für die Zentralbibliothek nie von Rio de Janeiro nach Brasilia gezügelt. Die als ökumenischer Begegnungsort geplante Kathedrale musste kurz vor dem Verfall an die katholische Kirche verkauft werden. Man kann sich generell des Eindrucks nicht erwehren, dass hier über viele Jahre der Unterhalt sträflich vernachlässigt wurde. Ein Schelm wer denkt, dass Korruption etwas damit zu tun hat. Laut unserem Guide ist an allem der aktuelle Präsident Lula da Silva schuld. Nach seiner Meinung hat er – genauso wie Joe Biden in den USA – den Wahlsieg gestohlen. So waren dann die Krawalle und Zerstörungen im Januar 2023 nicht das Werk von chaotischen Rechtsextremisten, sondern von einigen besorgten Bürgern, die spärlich bewaffnet und friedlich ihren Unmut äusserten, bis die Polizei sie provozierte. Na ja!
Mit faszinierenden Eindrücken verlassen wir Brasilia wieder und kommen nach einem 90-minütigen Flug in Salvador de Bahia an.














