Samstag, 13.6.26: Weiter südwärts nach Corumbá

Ein Sonnenaufgang aus der Tiefe der Kitschkiste erwartet uns heute: eine hyper-spektakuläre Collage in allen Rot- und Gelb-Tönen. Nach dem Frühstück kurven wir in einen Seitenarm des Rio Paraguay hinein, wo wir das erste Mal seit einiger Zeit nennenswerte Siedlungen sehen. An deren Rand werden vor allem Zuckerrohr und Maniok angebaut. Das Fischen ist (ausser für den Eigenbedarf und zu sportlichen Zwecken) während fünf Jahren verboten, aktuell läuft das zweite Jahr. Die Einheimischen werden durch den Staat entschädigt, damit sie sich auch an das Moratorium halten. Der eine oder andere wird aber wohl schon mal eine Fünf gerade sein lassen.

Unter der spiegelglatten Oberfläche ist das Wasser glasklar. Viel weiter oben fliesst dieser Seitenzufluss des Rio Paraguay durch einen grossen Wald, wo das Wasser bis zur Perfektion gefiltert wird. Fische sehen wir keine, das ist dann vielleicht in ein paar Jahren anders, wenn das Fangverbot Wirkung zeigt. Zurück auf dem Hauptfluss brettern wir mit mehr als 50 km/h zu unserem nächsten Ziel, einer teilweise privat finanzierten Schule. Die Schulleiterin erklärt uns grosszügig, dass wir alles fotografieren dürfen … ausser die Kinder. Da bleibt dann halt nicht mehr viel, wenn die Nahaufnahme eines Dieselgenerators wenig reizvoll scheint. 67 Kinder werden hier unterrichtet, auch am Samstagmorgen. Allerdings sehen wir von diesem Unterricht im Grunde genommen gar nichts. Nur ein Klassenzimmer ist besetzt, dort schaut die Lehrerin mit ein paar Schülern einen lärmigen Trickfilm. Was es allerdings schwarmweise hat sind Mücken, sodass uns insgesamt der Abschied von diesem Bildungsmekka nicht allzu schwerfällt.

Der Nachmittag ist schnell erzählt: eine ziemlich flaue Bootsfahrt zu einer naheliegenden Lagune, wo ausser einer schönen Landschaft nicht viel zu sehen ist.

One thought on “Samstag, 13.6.26: Weiter südwärts nach Corumbá

  1. Guten Sonntagmorgen lieber Walter! Wieder so prachtvolle Bilder auf der Zugfahrt dem Walensee entlang zu geniessen (Probe fürs Konzert mit 40 Celli…!). Tragisch ist nur, dass man (evtl auch frau), solche Schönheitserlebnisse am östlichen Himmel als kitschig bezeichnet. Aber das wäre eine ausführliche Diskussion darüber wert, was echt und was kitschig oder fake ist… weiterhin gute Reise und Danke fürs Teilen!

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