Reisen

29.10.2017: Arequipa

Pünktlich wie selten sind wir um 06:15 nach einer erholsamen Nacht bereit für die Weiterreise. Wir bekommen noch einen Kaffee auf den Weg und fahren dann durch die ziemlich leeren Strassen zum Flughafen. Dort ist sind unsere Bordkarten und die Gepäcktags schon bereit. Einzig die Diskussion bei der Gepäckabgabe, ob man für 2kg Übergepäck 25 Dollar zahlen soll, hält uns auf. Diese 2kg ins Handgepäck zu transferieren, ist aber offensichtlich völlig egal. Dass der Flieger damit kein Gramm leichter wird, entgeht der Logik der guten Schalterdame.

Zur planmässigen Zeit landen wir auf dem Flughafen von Arequipa, wo wir von unserer lokalen Führerin Sidney und Eduardo, dem Fahrer abgeholt werden. Wir fahren zuerst zum Mirador de Carmen Alta, von wo aus man Aussicht auf zwei der drei Vulkane hat, die Arequipa umgeben. Wir erhalten einen kleine Einführung in die lokale Früchte- und Gemüsewelt inkl. eine detaillierte Erläuterung über die Anwendungsformen und Wirkung von Coca-Blättern erhalten. Wir erstehen zwei Beutel unterschiedlicher Coca-Bonbons und sind gespannt auf deren Wirkung. Bislang (Stand Sonntag Abend) ist noch nicht viel zu spüren. Danach machen wir einen Spaziergang durch einige Gassen in Yanahuara, der Nachbarstadt von Arequipa.

Weiter geht es mit dem Auto zur Innenstadt. In einem kleinen, gemütlichen Restaurant machen wir eine Mittagspause. Gerade als das Essen serviert wird, kommt auf der Gasse vor der Beiz eine Prozession mit lärmiger Musik vorbei. Der mitgeführte Altar scheint sehr schwer zu sein, sodass ca. alle 100m für die Träger eine Pause eingelegt wird, per Glockenschlag durch den Zeremonienmeister eingeläutet.

Zu Fuss gehen wir ein paar Meter hinunter zur Plaza de Armas, dem Hauptplatz der Stadt. Er ist auf drei Seiten durch zweistöckige Kolonialbauten gesäumt, die alle aus dem weissen Tuffstein gebaut sind. Auf der vierten steht die ebenfalls weisse Kathedrale, die die ganze Seite der Plaza einnimmt (einzigartig in Peru). Da es Sonntag ist, sind die Kirchen geschlossen. Warum dies so ist, erschliesst sich uns nicht wirklich. So besichtigen wir die schönen Bauten halt nur von aussen, besonders die Fassaden an den Kirchenportalen sind sehr prunkvoll. Neben der Iglesias de Compañia (geschlossen, weil Sonntag) drehen wir eine Runde im eindrücklichen Kreuzgang der Claustros de la Compañia, der grösstenteils für Verkaufsläden umgenutzt wurde.

Höhepunkt unseres Stadtrundgangs ist zweifellos das Kloster Santa Catalina. Dieses in einem Teilbereich immer noch aktive Nonnenkloster wurde im Mittelalter bald nach der Gründung der Stadt durch die Spanier gebaut. Es stellte zunehmend eine eigentliche Stadt in der Stadt dar. Die Nonnen stammten alle aus reichen Familien, die beim Eintritt ihrer Töchter ins Kloster eine saftige “Mitgift” in Form von 2400 Silbertalern zu entrichten hatten. Die Nonnen durften zwar das Kloster nicht mehr verlassen, konnten dafür aber je nach Vermögenslage ihrer Familie eigene Häuser bauen resp. kaufen und sich Dienerinnen und selbst Sklavinnen halten. Die Anlage ist extrem weitläufig und beeindruckt insbesondere durch die bunten Mauern in orange, blau und weiss.

Zum Abschluss des Tages geht es nochmals zurück zur Plaza de Aromas, wo das Licht in der Zwischenzeit schön warm geworden ist. Es hat noch viel mehr Leute als am Nachmittag, möglicherweise warten viele von ihnen auf den Start eines Rally’s durch die Anden, das offensichtlich noch heute Sonntag von der Plaza aus startet. Im Gang eines Gebäudes am Rand der Plaza erhalten diverse “Chicas” in Ultra-Highheels ein kleines Catwalk-Training. Es scheint, dass noch weitere Übungen notwendig sein werden. Zu Fuss erreichen wir schliesslich in ca. 15’ unser Hotel, vor dem gerade die halbe Bevölkerung von Arequipa aus dem Freizeitpark strömt.

 

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