17.5.18: Die Krieger von Xi’an

Wir beginnen unser Tagesprogramm mit der fast 1400 Jahre alten grossen Wildganspagode. Warum sie so heisst, ist uns noch nicht ganz klar, aber das spielt auch eine eher untergeordnete Rolle. Wie immer bei chinesischen Pagoden besteht sie aus einer ungeraden Anzahl Stufen, hier sind es 7. Zwar sind nur etwa 10% der Chinesen überhaupt religiös, hier treffen wir aber ganz viele buddhistische Gläubige an, die vor dem Hauptaltar ihre Räucherstäbchen anzünden und ihre Gebete sprechen. Drinnen findet eine grosse Zeremonie der Mönche statt, die mit ihrem stundenlangen Singsang eine mystische Atmosphäre ins Areal zaubern. Die Pagode selber kann man nicht von innen besichtigen, es wäre zu eng für die vielen Besucher. Der Turm steht ungefähr einen Meter schief, weshalb man begonnen hat, diesen vorsichtig wieder in die andere Richtung zu drücken. 1 Millimeter pro Jahr wird er bewegt, sodass er dann gerade steht, wenn wir in 1000 Jahren wieder kommen. Merke: Chinesen denken strategisch.

Nach einem kleinen Abstecher in eine grosse Jadeausstellung (Geld gespart, nix gekauft!) ist unsere nächste Station die rund eine Autostunde ausserhalb des Zentrums gelegene Ausgrabungsstätte der berühmten Terrakotta-Armee. Auf dem Weg dahin kommen wir wieder an riesigen Wohnblöcken und Baustellen für solche vorbei. Bei den 3 oder 4 Universitäten, die wir ebenfalls passieren, sind die Studenten gerade unterwegs zum Mittagsessen, eine wahre Flut von jungen Leute ergiesst sich über die Strassen. In der grössten der Ausgrabungshallen hat es ca. 6000 Kriegerfiguren, von denen rund 2000 säuberlich restauriert sind. Die Tonfiguren, die ursprünglich einmal farbig bemalt waren, sind mit 1.65 bis 1.90m lebensgross, bei deren Erschaffung vor mehr als 2000 Jahren vermutlich sogar grösser als die damals lebenden Menschen. Jeder einzelne von ihnen hat seine individuellen Gesichtszüge und auch die Bekleidung und die Körperhaltung sind faszinierend detailliert. Die Figuren lassen sich aufgrund ihres Kopfschmuckes und der Panzerung klar in Soldaten und Offiziere von unterschiedlichem Rang einordnen. Auch wenn 6000 Krieger noch keine Armee ergeben, so ist die Schar der nach Osten (Hauptfeindrichtung) ausgerichteten Kämpfer echt beeindruckend.

Im Restaurant von Mr. Yang, einem der 4 damaligen Bauern, die Anfang der 70er Jahre die Figuren entdeckten, essen wir zu Mittag und testen anschliessend verschiedene Teesorten. Auf dem Rückweg ins Hotel machen wir noch einen kurzen Abstecher zu einem erstaunlich einsamen Tao-Kloster, wo gerade eine kleine Prozession stattfindet. Wir sind heute also richtige Glückspilze in Sachen religiöser Show-Time. Im stockenden Verkehr zurück zeigt uns unsere Führerin Nina stolz eine App (chinesisches Pendant zu Google Maps) auf ihrem Handy, auf der sie genau sieht, dass wir tatsächlich in einem Stau stehen. Helfen tut es wie bei uns zuhause auch nicht viel: wenn es staut, dann staut es.

Das Abendessen besteht aus einer Kurpackung chinesischer Ravioli in rund einem Dutzend verschiedener Varianten, danach geniessen wir eine etwas touristische, aber trotzdem interessante Musik- und Tanzveranstaltung. Auf dem Heimweg macht der Fahrer noch eine Spezialschlaufe, um uns stolz ein besonders bunt beleuchtetes Quartier zu zeigen. Was uns bei Tag und Nacht auffällt, sind die permanent grossen Anstrengungen, den öffentlichen Raum sauber zu halten. Das Resultat lässt sich wirklich sehen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert